Wenn Essen krank macht – wie Yoga hilft

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“Wenn dir im Inneren etwas fehlt, nützt dir der größte äußerliche Reichtum nichts”
— Dalai Lama

Dieses Zitat des Dalai Lama kann genauso gut auf die körperliche Schönheit und Schlankheit übertragen werden. Daher sollte das Ziel eines jeden Menschen sein, anstatt auf Äußerlichkeiten zu achten, bemüht zu sein, durch Yoga und Meditation die wahre, innere Schönheit in sich selbst zu verstärken.

In meinem letzten Beitrag habt ihr gelesen, dass es eine Illusion ist anzunehmen, dass sich durch die Veränderung des Körpers auch das emotionale Erleben verändert und verbessert. Im Gegenteil: Der ständige Kampf gegen sich selbst bewirkt den genauen Gegensatz von dem was wir uns erhoffen. Wir werden mit jedem einzelnen Tag unglücklicher und oftmals durch den Jo-Jo Effekt auch noch dicker. Denn ein Kampf gegen sich selbst und gegen das fundamentale Bedürfnis zu essen ist ein durch und durch aussichtsloser Kampf.

Statistik Yoga

Nun aber ist die Weihnachtsfutterphase frisch vorbei: Schokolade, Kekse, Stolle und lauter andere Leckereien überall. Weihnachten ist für die Menschen, die unter Essstörungen leiden als auch für die Menschen, die ihren Körper nicht mögen, die sich zu dick finden, eine Qual. All den Leckereien zu widerstehen ist fast unmöglich, denn sowohl Frauen, als auch Männer, möchten schlank, reich, erfolgreich und schön sein und versprechen sich dadurch ein besseres und glücklicheres Leben. Welch ein Irrglauben.

Diesen Irrglauben haben wir der modernden Leistungsgesellschaft zu verdanken, die trotz materieller Fülle immer mehr Menschen in ihr persönliches Unglück stürzt. Die sozial anerkannten und geforderten Werte, wie Kontrolle, Ambition, Leistung, Erfolg und Selbstwert bilden eine fatale Überforderung für jeden einzelnen Menschen, selbst wenn die Medien uns etwas anderes vorgaukeln!

Essstörungen und Yoga

Natürlich ist unser Körper das Werkzeug für soziale Interaktionen: Er ist das Erste was andere an uns wahrnehmen. Der erste Eindruck. Deshalb versuchen WIR – die modernen Menschen – alles zu tun, um ihn zu verändern. Dabei kennt jeder von uns „schöne“ Menschen, die, sobald sie einen Ton von sich geben, all ihre Schönheit in nur einem Augenblick einbüßen.

Andererseits begegnen wir Menschen, wie dem Dalai Lama, deren inneres Strahlen uns überwältigt. Wie schön sind doch diese Menschen? Diese innere Schönheit lässt sich in jedem von uns finden.

Und Yoga bietet dazu das geeignete Werkzeug.

1Wie Yoga bei Essproblemen hilft

Yoga kann helfen eine normale und gesunde Beziehung zu sich selbst aufzubauen, die wiederum die absolute Voraussetzung dafür bildet, das Symptom, sprich die Essstörung (nicht essen, Überessen oder Erbrechen), dadurch zu beheben, dass Betroffene nicht länger gewillt sind, sich zu schaden. UND: Yoga desillusioniert! Lässt uns begreifen, dass wir nicht nur der Körper sind, in dem wir wohnen. Leider geht diese Tatsache in der auf Äußerlichkeiten fokussierten, oberflächlichen modernen Welt leicht unter.

Yoga bei Essstörungen

In meinem vorherigen Beitrag ist beschrieben, dass Yoga eine Disziplin darstellt, die das Wirken des Körpers und des Geistes als eine untrennbare Einheit betrachtet. Eine Disziplin, die das Ziel verfolgt beide Aspekte wieder ins Gleichgewicht zueinander zu bringen, und dem Menschen zu verdeutlichen, dass er nicht nur „der Körper“ ist, sondern sehr viel mehr.

Allerdings ist der Weg das zu begreifen nicht ganz einfach und bedarf Geduld, Disziplin, einen starken Willen zu genesen und viel Zeit. Viele essgestörte Personen möchten allerdings nicht einsehen, dass sie essgestört sind, verheimlichen aus Scham ihre Krankheit und wehren sich oftmals, aus Angst dick zu werden, vor Verhaltensänderungen. Das ist ein wirklich großes Problem.

Außerdem: Sowohl essgestörte Menschen, als auch viele Menschen, die sich selbst für gesund halten, obwohl sie Essprobleme haben, bewerten den eigenen Körper und sein Aussehen über. Sie modellieren ihn durch Sport, machen Diäten und lassen sogar chirurgische Eingriffe über sich ergehen. Der Körper als das Mass aller Dinge. Sie nehmen an, dass, wenn sie abgenommen haben, sie sich selbst wieder „im Griff“ haben und alle anderen Probleme schwinden. Leider stellen sie dann immer wieder enttäuscht fest, dass das „ICH“, was dem Körper innewohnt, ihnen immer und überall folgt, unabhängig davon wie viel sie wiegen oder wie viel sie abgenommen haben und, dass eine Gewichtsabnahme nichts an Ihrer Persönlichkeit, ihrer inneren Einstellung und Lebenszufriedenheit verändert.

2Yoga deckt fundamentale Missverständnisse auf

Eines der fundamentalsten Missverständnisse, das durch eine regelmäßige Yogapraxis aufgedeckt werden kann, liegt in der Erwartung des „Glücklichseins“, in der Zukunft – „alles wird gut, wenn ich schlank bin, dann werde ich endlich geliebt“. Das Leben aber spielt sich nur im Hier und im Jetzt ab – das lehrt uns Yoga. Wenn wir nicht durch eine stetige täglich Praxis beginnen uns auf das HIER und JETZT zu besinnen, wird sich auch in unserer Zukunft nichts verändern.

Yoga hilft bei Essstörungen

Der Bodyscan

Eine erste Möglichkeit mit dem eigenen Körper wieder in Beziehung zu kommen und sich selbst neutral ins JETZT zu begegnen bietet der Bodyscan. Bodyscan erlaubt uns unseren Körper wiederzuentdecken und genau zu spüren, wie dieser in einem bestimmten Augenblick gerade ist. Er lehrt uns Annahme und Akzeptanz unserer gegenwärtigen Körperlichkeit und beruhigt die so oft aufgewühlten Emotionen essgestörter Menschen. Durch die regelmäßige Praxis eines Bodyscans gehen Menschen, die unter Essstörungen leiden wieder einen ersten Schritt Richtung Selbstfürsorge und somit einen Schritt zu sich selbst. Selbstfürsorge bedeutet in Bezug auf Essstörungen für den Körper zu sorgen und ihn mit der Nahrung zu versorgen die er zum Überleben und Funktionieren braucht.

Das achtsame Essen

Eine Möglichkeit, das Essen langsam wieder zu erlernen, bietet die Achtsamkeitsübung, also „achtsames Essen“. Genau das ist bei Menschen, die unter Essstörungen leiden, notwendig.

Das Wiedererlernen, mit dem Essen umzugehen, das Essen zu genießen, das Feststellen, dass essen nicht gefährlich ist und ein Genuss sein kann, lindert nach und nach die extreme Angst essgestörter Menschen vor der Nahrungsaufnahme.

Betroffene bekommen die Möglichkeit zu erkennen, dass das WAS, das WIE und auch das OB sie essen ihrem Willen und ihrer persönlichen Entscheidung unterliegt.

Menschen, die unter Essstörungen leiden respektieren und achten weder ihre psychischen, noch ihre körperlichen Bedürfnisse. Das gilt sowohl für das Essen als auch für das ganz normale alltägliche Leben. Sie überessen sich extrem (Bulimie, Binge Eating) oder vermeiden jegliche Nahrungsaufnahme (Anorexie). Das Gleiche gilt für das Spüren und Einhalten ihre persönlichen Belastungsgrenzen. Sie überfordern sich ständig in Bezug auf die Erwartungen, die sie sich selbst in der Schule, im Beruf und auch im Sport auferlegen, um anschließend zu versagen und sich so wiederum selbst zu bestätigen, dass sie wertlos, nicht liebenswürdig und schlecht sind.

Ferner ist es typisch für essgestörte Menschen alles kontrollieren zu wollen: Sich selbst, das Gewicht, die Leistungsfähigkeit und die Anderen. In diesem Zusammenhang verfolgt Yoga bei Essstörungen das Ziel einen Bereich zu schaffen, in dem Schmerz und Leid willkommen sind. DENN: Der Versuch durch die strickte, sich selbst auferlegte Kontrolle das Leiden verhindern zu wollen, verstärkt das Leiden noch. Nur durch das Erlernen des Gewahrsams, der Annahme und Akzeptanz all dessen, können sich neue Wege und Möglichkeiten öffnen.

Das Nicht-Bewerten

Einen Weg sich selbst akzeptieren zu lernen bietet die Meditation des Nicht-Bewertens und des Annehmens: „alles das was da ist darf da sein“

Das „sich allem Gewahr werden und all das annehmen was da ist“ führen dazu, dass sich nach und nach eine Haltung der Gelassenheit etablieren kann. Wahrnehmen, Erkennen und Annehmen emotionaler Schwankungen und automatischer Denk- und Verhaltensweisen werden möglich.

Inneren-Konflikten

Gerade Menschen mit Essstörungen werden von vielen unterschiedlichen Situationen in ihrer Problematik getriggert. Die wertfreie Beobachtung all dieser Situationen (z. B. schöne Menschen, der Vergleich mit ihnen, soziale Erwartungen, das eigene Bild im Spiegel und viele viele mehr), ermöglicht mit der Zeit diese Automatismen zu durchbrechen. Das bedeutet, dass Stressoren die Essattacken auslösen können, über die Praxis der Achtsamkeit wahrgenommen, erkannt und schließlich verändert werden können. Die stabilen und nicht leicht zu verändernden Reiz-Reaktion-Kreisläufe können so ggf. durchbrochen werden. Die Wahrnehmung und Erkennung dieser unbewusst ablaufenden Schemata ist nur in der Stille der Meditation, durch das wertfreie Beobachten möglich.

Eine Essstörung bedeutet Dauerstress

Ein weiteres Problem bei Essstörungen ist, dass Betroffene durch die ständige Angst vor Gewichtszunahme einem ständigen inneren Stress ausgesetzt sind. Wie bereits in meinem Beitrag über Stress ausführlich beschrieben, geht dieser mit einer erhöhten Ausschüttung des Stresshormons Cortisol einher. Bei Essgestörten bedeutet das, dass jede Konfrontation mit Körper oder Essen den schon hohen Stresspegel noch heraufsetzt. Das Fatale dabei ist, dass das Essen überlebensnotwendig ist und der Mensch essen muss. Mit jeder neuen Konfrontation mit Nahrung werden Betroffene allerdings wieder mit ihren größten Dämonen konfrontiert.

Folge: Menschen, die unter Essstörungen leiden sind ständig gestresst. Der dauerhaft erhöhte Cortisolspiegel beeinträchtigt dabei nicht nur das Immunsystem sondern hat ferner weitreichende Folgen auf die neurophysiologischen Vorgänge in unserem Körper.

Die praktischen Übungen im Umgang mit Stress können ebenfalls von Menschen mit Essstörungen praktiziert werden um den dauerhaft erhöhten Stresslevel zu senken. Abzuraten ist, insbesondere bei Anorexie von anstrengenden Yoga Praktiken, wie den Sonnengebeten. Bei Essstörungen ist es wichtig, die körperlichen Yoga Praktiken sorgsam auszuwählen um die Gefahr zu vermindern, dass diese zur Gewichtsregulation missbraucht werden. Welche Asanas bei Essstörungen problemlos praktiziert werden können und helfen die Essstörungssymptome zu lindern erfahrt ihm in meinem nächsten Beitrage der Reihe: Wenn Essen krank macht – wie Yoga hilft – die Asana Praxis.

WICHTIG!!! Yoga hilft – ersetzt aber weder einen Arzt noch einen Psychologen!

Mehr darüber wie der Yoga hilft könnt ihr in Marias Workshop am 17. Januar in Hamburg erfahren: Maria bietet euch ferner in Februar die Chance, die Wirkung des Yoga am eigenen Körper zu erleben. Das 3-tägige „Yoga für die Seele meets Ayurveda Retreat“ in Schwarzwald beinhaltet diesmal als Special einen 2-stündigen Meditationsworkshop, in dem unterschiedlichste Meditations- und Achtsamkeitstechniken vorgestellt, erklärt und praktiziert werden./

by Maria Wolke

Maria Wolke Maria Wolke ist studierte Sportwissenschaftlerin, Yogalehrerin und Therapeutin. Durch ihre Doktorarbeit in klinischer Psychologie liegt der Schwerpunkt ihrer Yogapraxis auf der positiven und heilen-den Wirkung des Yoga mit dem Ziel die Psyche zu stabilisieren und das Gehirn zu verändern und zu heilen. Das Yoga hat sie in Indien gelernt und: Es hat ihr Leben verändert. Maria ist außerdem Autorin für den Junfermann Verlag und aktive Bloggerin. Sie gibt Workshops und Seminare und bietet Wochenendretreats zum Theme Yoga und Psyche. Die Techniken des Yoga, die ihr in ihren Retreats kennen und anwenden lernt, dienen wissenschaftlich fundiert dazu, Stress vor-zubeugen bzw. abzubauen sowie unangenehme Emotionen zu regulieren sowie alte schädliche Verhaltens- und Denkweisen nach und nach durch neue und konstruktive Muster zu ersetzen.

2 thoughts on “Wenn Essen krank macht – wie Yoga hilft

  1. Maria Wolke says:

    Vielen Dank, liebe Sherani. Schon bald kommt der letzte Teil der Serie, der sowohl aus der Pranayama und Asanapraxis bei Essstörungen bestehen wird als auch aus dem Erfahrungsbericht einer betroffenen Yogini.
    Liebe Grüße und alles Gute
    Maria

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