Loslassen lernen & Vergänglichkeit annehmen

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Loslassen lernen und Vergänglichkeit annehmen: Wie Yoga uns dabei helfen kann Albert Einstein hat es auf den Punkt gebracht, indem er sagt:

“Schaue in die Natur und du wirst alles besser verstehen.”

Die Jahreszeit Herbst stimmt mich melancholisch. Ich genieße diese besonders, da uns dieser Jahresabschnitt zeigt, wie schön Vergänglichkeit sein kann. Das bunte Ein- und Verfärben der Blätter an den Bäumen, die Verschiebung der Temperaturen, der Zerfall von materieller Substanz. Der Herbst ist eine Kraftzeit und wenn wir wollen, können wir diese spirituell nutzen, um Veränderungen zu akzeptieren und uns im Loslassen zu üben.

Loslassen ist wohl eines der schwierigsten Dinge, die es im Leben zu lernen gibt. Sei es eine schmerzvolle Erfahrung durch den Tod eines geliebten Menschen, durch die Trennung vom Partner oder weniger einschneidende Erfahrungen, wie das Ende eines Lebensabschnitts oder einer wundervollen Reise, ein Jobwechsel oder Veränderungen im Familien-/Freundeskreis. Würden wir diese Schattenseiten nicht erleben, wüssten wir das Licht vermutlich nicht zu schätzen.

William Shakespeare fängt die Idee der Vergänglichkeit in seiner Sonette 18 unvergleichlich schön ein:

Soll ich dich einem Sommertag vergleichen?
Er ist wie du so lieblich nicht und lind;
Nach kurzer Dauer muss sein Glanz verbleichen,
Und selbst in Maienknospen tobt der Wind.
Oft blickt zu heiß des Himmels Auge nieder,
Oft ist verdunkelt seine goldne Bahn,
Denn alle Schönheit blüht und schwindet wieder,
Ist wechselndem Geschicke untertan.
Dein ew’ger Sommer doch soll nie verrinnen,
Nie fliehn die Schönheit, die dir eigen ist,
Nie kann der Tod Macht über dich gewinnen,
Wenn du in meinem Lied unsterblich bist!
Solange Menschen atmen, Augen sehn,
Lebt mein Gesang und schützt dich vor Vergehn!

1Loslassen lernen: Wie kann Yoga helfen?

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Zentraler Gedanke ist die Stabilität der Liebe und ihre Kraft der Unsterblichkeit. Die Akzeptanz, dass Jugendlichkeit und Schönheit kommt und geht, scheint in einer Leistungs- und Vergnügungsgesellschaft nur schwer möglich. Jeder möchte alt werden, aber keiner möchte alt sein – so das Dilemma. Plastische Chirurgie, die einem nicht notwendigen medizinischen Zweck dient, ist ein lukratives weltweites Geschäft.

Yoga lehrt uns die Unverletzbarkeit des Seins und das Pflegen, Ehren und Heilen des eigenen Körpers und Geistes. Dein Körper liebt dich bedingungslos. Er macht es dir möglich Empfindungen und Berührungen zu spüren und ist dein bester Freund auf Lebenszeit. Deswegen liebe deinen Körper zurück. Tu ihm so viel Gutes wie nur möglich.

Abhinivesha, das Anhaften, ist eine Hauptursache für Leid. Durch diese Trennung vom Ewigen und die Identifikation mit dem Sterblichen entsteht ein starkes Anhaften an die momentane Existenz und eine große Furcht vor dem Vergänglichen.

Wenn du aber erkennst, dass du nicht dein Körper, nicht dein Geist, nicht deine Gefühle und nicht deine Gedanken bist, brauchst du keine Angst mehr zu haben. Du bist das wahre Selbst, du bist reines kosmisches Bewusstsein. Der Beobachter und stille Wahrnehmer hinter all dem.

1Loslassen lernen: Stille Übung

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  • Versuche dir jeden Tag morgens oder abends mindestens 10 Minuten Zeit für deine Meditation zu nehmen.
  • Steigere das wenn möglich nach und nach auf 30 Minuten.
  • Je länger du meditierst, desto intensiver wird Prana (Lebensenergie) durch dich fließen.
  • Diese Energie ist unzerstörbar und wird dich an dein unsterbliches Selbst erinnern.
  • Als Anfänger kannst du gerne eine geführte Meditation machen oder durch Musik unterstützen. Bedenke aber, dass dich das ablenken kann und der Geist erschwert zur Ruhe kommt.
  • Fokussiere deinen Atem, vertiefe die Einatmung und verlängere das Ausatmen.
  • Das parasympathische Nervensystem wird sich rasch auf Entspannung einstellen.
  • Wenn deine Gedanken abschweifen, kannst du dich unterstützend auf das Mantra Soham konzentrieren.
  • So beim Einatmen, Ham beim Ausatmen, was bedeutet ich bin DAS oder ich bin, der ich bin. So kannst du erkennen, dass du dich nicht mit deinem Körper und Geist identifizierst.

Yin Yoga ist ein eher passiver, ruhiger Yogastil. Es geht vor allem darum, in die Asanas hineinzuspüren, den Atem frei fließen zu lassen, um auf diese Weise Verspannungen oder Blockaden zu lösen. Neben den physischen Wohltaten, die viel Nutzen für das Bindegewebe und die Faszien versprechen, ermöglicht dir Yin Yoga insbesondere auch deinen Geist zu beobachten und zu schärfen, da die Asanas 3-5 Minuten gehalten werden. Gut üben kannst du in diesem Zusammenhang:

  • Den Schmetterling (Baddha Konasana)
  • Die Haltung des Kindes (Balasana)
  • Die Katze (Marjaryasana)

Wir suchen EURE Tipps! Was macht ihr, um loszulassen? Hinterlasst uns einfach einen Kommentar, wir freuen uns!

Katharina Emde

Katharina kam aufgrund einer ausgeprägten Krümmung der Wirbelsäule zum Yoga und ist daher orthopädisch vorgebildet sowie therapeutisch interessiert. Da sie selbst viel Physiotherapie erhalten hat, sieht sie Yoga als ihren ganzheitlichen Weg, um etwas auf der körperlichen, energetischen und mentalen Ebene zurückzugeben. Sie hinterfragt gerne kritisch und möchte das weitergeben, was sie selbst erlebt hat. Besonders wichtig im Yogaunterricht ist ihr der Aspekt der Zuwendung. Daher möchte sie, dass ihre Schüler sich bei ihr gut aufgehoben und ernst genommen fühlen. Katharina lebt und lehrt Yoga in Kassel und Umgebung. Mehr von Katharina: www.facebook.com/KatharinaEmdeYoga

2 thoughts on “Loslassen lernen & Vergänglichkeit annehmen

  1. Dieter Brehm says:

    Servus Katharina,
    das “Loslassen” übe ich in der ZEN-Meditation. Durch das Zurücknehmen des Ichs verlieren viele Dinge an Bedeutung, die zuvor scheinbar wichtig waren. Und natürlich gibt es immer wieder auch Rückschläge. Dann steht das Thema wieder mehr im Vordergrund. Auch äußere Einflüsse sind immer wieder ausschlaggebend. So wie hier beschrieben in diesem Beitrag http://www.24notes.de/ist-dir-wirklich-klar-dass-du-sterblich-bist/
    Viele Grüße, Dieter

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