Tagebuch eines reisenden Yogalehrers – TEIL 5

Liebe Freundin, lieber Freund, ich schreibe Ihnen von einer kroatischen Insel, nahe Zadar, wo ich die nächsten Tage Yoga unterrichten werde. Zufällig gibt es im selben Ort einen holländischen Tanzlehrer, welcher norwegische, armenische und russische Volkstänze lehrt. Ich wagte mich eines Abends auf die Tanzbühne. Und sehen Sie: Das Tanzen ist dem Yoga gleich. Sie bewegen Ihre Hände anders; Ihre Arme; Sie geben sich der Musik anders hin als dem Rhytmus des Sonnengrusses. Doch Sie blicken, während Sie tanzen, oder am Ende der Musik, Menschen in die Augen, und Sie erkennen jenes Licht, welches das Herz aller verbindet. Gleich ob alt, ob jung, ob buckelig oder kerzengerade: Tanz und Yoga verbindet. Und so verband mich das Gefühl und ich lebte ganz auf, allein im Tanz und in den Blicken der Menschen. Übrigens trat ich gelegentlich einer Tanzpartnerin auf die Füße, was mich noch mehr verband.

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Wir waren insgesamt zwanzig Taenzer. Das Bild zeigt vier erfahrene Taenzer, einen Anfaenger.

Und übrigens: es gibt einen alten Yogalehrer im Ort, mit welchem ich früh am Morgen üben durfte. Er sagte, was mein erster Lehrer sagte: “Yoga ist nicht die Übung des Kopfes, sondern des Gefühls.” So sitze ich, wie ich meine tägliche Meditationspraxis übe, mit einer neuen Inspiration: nur sitzen, Shikantaza zu üben, mit Gefühl, als wäre es ein Tanz dessen Schritte wie von alleine kommen. Wo man ein Lehrling ist, da bleibt man ein Lehrling. Und was gibt es zu erkennen? Was zu lernen, unter einem klaren und morgendlichen Sternenhimmel? Dies, liebe Freundin, lieber Freund, soll unser Koan für diese Woche sein.

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Sonnenaufgang auf der Insel, morgens um 6.00 Uhr

Und ich schicke Ihnen schöne Grüße aus dem Land der Sonne, in welchem ich nächste Woche weiter in den Norden ziehe, in Richtung Istrien. Tanzen Sie und leben Sie. Glattes Eis, sagt Friedrich Nietzsche, ist ein Paradies für den, der zu tanzen weiss! – Der Ihre, Ben, Yogalehrer und Schriftsteller.

Ben ist gerade in fünf Lehrern als Yogalehrer unterwegs und schreibt dabei regelmäßig für Asanayoga. Teil 1 seiner Reise findest du hier, Teil 2 der Reise kannst du hier lesen, hier sind Teil 3 und Teil 4. Folgt Ben außerdem auf seinen beiden Websites: als Yogalehrer & als Schriftsteller.

Ben Rakidzija

Ben ist Yogalehrer und Schriftsteller. Er arbeitet für internationale Hotels, Studios und Yogacenter. Er veröffentlicht Prosa und Poesie, hält Lesungen in Buchhandlungen und auf Literatur-Festivals und arbeitet zur Zeit an einem Roman. Infos über Ben findet ihr auf: timeforsilence.strikingly.com oder daskleinebuch.strikingly.com.

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