Kann Yoga die Welt retten? Oder ist alles nur Nackt-Yoga?

Wie Yoga die Welt retten kann

Gesund, Fit und Sexy

Hättest du dir vor ein paar Jahren vorstellen können, dass Yoga einmal voll im Trend liegen würde?

Spirituelle Yogis waren nicht „in“, und darum ging es auch gar nicht in den letzten 5000 Jahren. Einst fingen die Hollywood Stars an, die großartige Wirkung von Yoga in den Medien zu verbreiten und – schwups – da war das Bild vom Yogi transformiert.

Hollywood Stars die Bikram Yoga machen

Grafik von Stars, die Bikram Yoga machen (Mit Quellenangabe, kannst du das Bild gerne verwenden)

 

Wer was von sich hält, der macht Yoga. Heute geht man zum Vinyasa Yoga, anstelle zum Zumba. Step Aerobic ist out. Hatha, Ashtanga & Co hingegen voll im Trend. Die Yogamatte unterm Arm und der grüne Smoothie in der Hand – so lässt man sich gerne auf dem Fahrrad erwischen.

Mittlerweile ist in jedem großen Fitness Studio Yoga ein fester Bestandteil geworden. Aber auch Beauty Salons wie Treatwell bieten mittlerweile Yoga Sessions in ihren Locations an.

Kopfstand, Krähe und Krieger werden stolz auf sämtlichen Instagram und Facebook Kanälen geteilt. Man will der Welt zeigen, dass man sich um die eigene Gesundheit kümmert: Gesund, fit und sexy – Das ist das neue Bild vom modernen Yogi.

Techno-, Nackt- oder Brust-Vergrößerungs-Yoga

Erst kommt die Yoga-Philosophie – dann folgt die Praxis. Viele Yogi-Newbies überspringen ersteres. Der Großteil weiß über den tieferen Sinn des Yogas kaum Bescheid. Sanskrit Ausdrücke sind vielen ein Fremdwort. Kuriose Verrenkungen, heiße Yoga-Outfits und der hippe Yogi Lifestyle – das ist Teil der heutigen Yoga-Philosophie.

Einige Yoga-Studios experimentieren mit blechernem Beat, anstelle vom Omm und Shanti. Brust-Vergrößerungs-Yoga ist eine Alternative zu Implantaten, Kiefer Yoga hilft beim Knirschen, Hundeyoga entspannt den Vierbeiner und Acro-Yoga erhöht den Adrenalin Faktor. Es scheint, als würde Yoga komplett neu erfunden, revolutioniert (oder instrumentalisiert?) und an die westliche Gesellschaft angepasst.

Und dann gibt es natürlich noch Nackt-Yoga, was letztes Jahr für viele Diskussionen gesorgt hat:

Bildquelle ist Imgur

 

Auf der anderen Seite ist Michelangelo, der sagt:

“What spirit is so empty and blind, that it cannot recognize the fact that the foot is more noble than the shoe, and skin more beautiful than the garment with which it is clothed?”
-Michelangelo

David von Michelangelo

Kein Wunder, dass viele Yogis der alten Schule verständnislos den Kopf schütteln. Ja, es stimmt – Die Yoga-Philosophie, wie sie einst von asiatischen Lehrern vermittelt wurde, kommt nicht 100%ig in den europäischen Yoga-Studios an. Aber für viele Yogi-Newbies sind die modernen und teilweise äußerst kuriosen Yoga-Stile zumindest ein guter Einstieg in die Yoga-Welt. Und das ist gut so. Denn diese Yoga-Bewegung tut unserer Gesellschaft ziemlich gut.

Die Welt auf Standby schalten

Die Welt auf Standby schaltenEs ist schwer im heutigen Alltag abzuschalten. Ständig wird man von äußeren Einflüssen beschäftigt gehalten. Richtige Langeweile ist kaum noch existent. Wenn man gerade nichts zu tun hat, durchscannt man den Facebook-Stream, schreibt in eines der tausenden Whats-App Gruppen oder macht ein paar Selfies für Instragram. Ständig werden wir von Popup Benachrichtigungen an unsere tausend Apps, „Freunde“ und Social Media Kanäle erinnert.

Einfach nur da sitzen, in sich hinein schauen, die Zeit lange weilen lassen und reflektieren – das ist für viele ein Fremdwort geworden.

Nach Feierabend im Zug sitzen und aus dem Fenster schauen, die Sonne im Horizont verschwinden sehen, dem Gemurmel der Mitpassagiere lauschen – hört sich nach einer normalen Zugfahrt an? Dann schau dich bei deiner nächsten Fahrt um, wer genau das eigentlich noch macht. Dabei sind genau diese Momente so wichtig. In diesen Momenten, wo du mit dir und deinen Gedanken alleine gelassen wirst, kannst du erlebte Dinge verarbeiten, sie verstehen, mit ihnen wachsen.

Kein Wunder, dass der Körper nach jenen Standby-Momenten schreit. Yoga bietet vielen eine wunderbare Plattform um den ständigen Einfluss von außen in der heutigen Gesellschaft zu entfliehen. Bei der Tiefenentspannung am Ende jeder Yoga-Session werden Spannungen im Körper gelöst. Der ewige Stress wird abgebaut und sogar Glückshormone frei gesetzt.
Diesen Zustand bekommen viele Menschen im Alltag alleine kaum noch hin.

Einfach mal die Klappe halten

Wir bekommen kaum noch Gelegenheit uns von Aufgaben und Gedanken zu befreien. Sie begleiten uns ständig – dank der neuen Technologien. Im Hier und Jetzt leben, frei von jeglichen Gedanken ist ein seltener Zustand geworden. Wir sind ständig am Kommunizieren. Wir sind überkommuniziert. Dabei ist Stille und das Loslassen von jeglichen Gedankenprozessen so verdammt wichtig für uns.

Kein Wunder, dass wir uns so befreit nach einer Yoga-Stunde fühlen. Wir werden dazu gezwungen, uns nur auf unseren Atem und unseren Körper zu konzentrieren. Das gleichmäßige und tiefe Atmen (Pranayama) hilft uns beim Loslassen. Wir spüren unseren Körper, den reinen Mechanismus des Atmens. Viele Yogis fühlen sich bei korrekter Ausführung sogar „high“. Dieser Zustand ist für viele so intensiv, weil er im Alltag fast vollkommen verloren gegangen ist.

Der Wunsch nach Entschleunigung

Die Zeit rennt schneller. Der Tag wird kürzer. Zwei Wochen Urlaub verschwinden im Nu. Wir rennen im Hamsterrad, folgen der täglichen Routine und erleben viel zu wenig Neues.

Kein Wunder, dass wir uns nach Entschleunigung sehnen.

Wunsch nach Entschleunigung im Alltag

Der Wunsch nach Entschleunigung im Alltag

 

Viele finden eine Verlangsamung der Zeit in Mantras. Nach einem 30-minütigen Mantra mit einer harmonischen Abfolge an Bewegungen ist eins sicher: Diese 30 Minuten werden dir wie eine halbe Ewigkeit vorkommen. Und genau deswegen tun sie uns gut. Wir haben die Zeit in diesen 30 Minuten in der Hand. Wir sind vollkommen da. Bewusst. Wir sind nur auf das Mantra, unsere Bewegung und das Zusammenspiel fokussiert.

Diese bewusste Entschleunigung der Zeit können wir auf den Rest des Tages und unsere Mitmenschen übertragen.

Ich geh mal kurz die Welt retten

Es ist nicht so, dass wir nach einer Yoga-Stunde die Welt retten könnten. Aber das regelmäßige Praktizieren von Yoga, die Entschleunigung unseres Alltags und das Loslassen von Kontrolle und Gedanken schafft Platz für Mitgefühl und Nächstenliebe – der Basis für reines Zuhören, Vergeben und Unterstützen.

Und eins ist klar: Die Kultivierung von Mitgefühl in unserer heutigen Gesellschaft würde die Welt bestimmt ein Stückchen besser machen!

Was denkst du? Hilft Yoga dabei die Welt zu retten?

Teile deine Meinung mit der ASANAYOGA Community in den Kommentaren (unten)!

 

Melissa Schumacher

Ich bin Reisebloggerin, Yogi-Wannabe, Rettungstaucherin und Backpacking-Enthusiastin mit viel Liebe für Umwelt und Natur. Meine endlose Energie fließt in meine Projekte und Studien, ins Yoga und Tauchen und in die Erweiterung meiner Komfort-Zone durch das Entdecken der Welt mit dem Rucksack. Mein Yoga-Stil setzt sich aus unterschiedlichen yogischen Philosophien von Indonesien, Süd-Korea, der Türkei und Deutschland zusammen.

5 thoughts on “Kann Yoga die Welt retten? Oder ist alles nur Nackt-Yoga?

  1. Pingback: Ernährungs- und Fitnessblogs am Sonntag, 07.03.2015

  2. Anuradha Antje Masset says:

    Ganz bestimmt,
    aber nur wenn wir Yoga richtig verstehen lernen! Nackt und Hot Yoga sind da glaube ich nicht die richtige Grundlage. Aber wie du sagst für manche überhaupt die einzige möglichkeit zugang zum Yoga zu finden. Yoga bedeutet verbindung mit dem eigenen Selbst und mit Gott. Auch Hatha Yoga ist dazu nur der erste einstieg.
    Wenn wir bei A anfangen, nämlich mit den Yamas und Niyamas kann Yoga bestimmt dazu beitragen die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Wenn wir Ahimsa ( Keine Gewalt)und Satya (Ehrlichkeit) von der Yogamatte in den Alltag bringen und nach und nach unser Bewußtsein sattwiger (reiner )wird gelingt das bestimmt.
    Lieben Gruß
    Anurada

    • Rareel says:

      Warum? Weil sobald ich den Fuss vor die Tuer setze, geht jeder auf mich los. All diese Gehaessigkeit Schikane und Mobbing! Ich war in zwei Yoga Kursen. Ich wurde zurest durch die ueber 50jaehrige Yogi/Kurstleiterin schikaniert dann stiegen natuerlich all die anderen Aelteren sofort mit ein. I’m zweiten Kurs juengere und aeltere genauso so dass ich in beiden Kursen nur ein paar Tage war. Seit dem bringe ich mir selbst Yoga bei mit Hilfe von Buechern. Ich komme sehr gut zurecht und habe circa 9 Kilo abgenommen. Jetzt habe ich eine Menge Neider! Ich bin stolz auf mich, dass ich mich selbst durch Yoga gerettet habe. Die Welt koennen nur die Menschen selbst retten wenn sie ihre Scheuklappen abnehmen!

      • Mónica Guevara de Benninger says:

        Liebe Rareel!
        Schade, Du hast Yoga nicht verstanden und gerietest offensichtlich in sehr schlechte (Yoga)Kreisen. Was Du gemacht hast und die Erfolge die Du für Dich buchen konntest sind Asanas, Übungen die ein Teil von Yoga sind, aber nicht Yoga ausmachen. Schön, dass Du Dir in Deinem Körper besser fühlst, vielleicht kommt jetzt auch die Zeit und die Ruhe Dich mit echtem Yoga auseinander zusetzen! Du hast es Dir verdient 🙂
        Namasté

  3. Elke Lechner says:

    Yoga kann die Welt retten UND Nacktyoga auch. Patanjali sagt, Yoga ist das zur Ruhe bringen der Gedanken im Geist, dann ruht der Sehende in seinem wahrem Selbst.

    Worum geht es denn letztendlich im Yoga? Um eine gute “Figur” beim Yoga zu machen? Um ein besonders toller Yogi/Yogaleherer, etc. zu sein? Der körperorientierte Hatha Yoga führt letztlich zum Raja Yoga, dem königlichem Yoga, der sich mit dem Geist und seiner Funktionsweise beschäftigt. Es geht letzlich um den Geist.

    Bryan Kest, der Begründer von PowerYoga in Los Angeles erschien einmal nach Abschluss einer PowerYoga Ausbildung und zur Überreichung der Zertifikate komplett nackt bei den Teilnehmern. Was da die Teilnehmer wohl gedacht haben? Und was wollte Bryan Kest damit den Teilnehmern wohl zeigen und verdeutlichen?

    Yoga kann bestimmt die Welt retten und nackt Yoga zu praktzieren kann den Geist zunächst ziemlich unruhig machen und aber seehr ruhig werden lassen. Und wer ´s nicht glaubt, einfach mal selber ausprobieren und dann urteilen….

    Namasté
    Elke

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