Bewältigung von AD(H)S in 3 yogische Schritten

ADHS-Yoga

Die Praktiken des Yoga als Abhilfe bei „geistiger Unruhe“ sind nicht nur wirkungsvoll sondern auch 5000 Jahre alt. Bereits in den alten vedischen Schriften werden Störungen des Geistes, des Intellektes, des Gedächtnisses sowie des Verhaltens erwähnt. Auch Hippocrates hat vor 2500 Jahren diese Krankheit beschrieben. Im Gegensatz dazu steckt die westliche Medizin noch in den Kinderschuhen. Erst 1902 erwähnte G.F. Still erstmalig die Symptome des Aufmerksamkeit-Defizit-(Hyperaktivität)-Störung. Die Erforschung der Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten dauert bis heute an.

AD(H)S Symptome und Häufigkeit

Die typischen Symptome einer AD(H)S sind Vergesslichkeit, unzureichende Aufmerksamkeit, Impulsivität und geringe Konzentrationsfähigkeit. Menschen mit AD(H)S sind schnell ablenkbar, haben eine geringe Ausdauer und arbeiten aufgrund ihrer Symptome eher fehlerhaft und flüchtig.

Sie handeln impulsiv und neigen zu unbedachten Entscheidungen, die wiederrum unerwünschte Konsequenzen mit sich bringen. Auf emotionaler Ebene geht AD(H)S mit starken Stimmungsschwankungen einher.

Betroffene berichten eine niedrige Frustrationstoleranz und ein geringes Selbstwertgefühl. Die bei AD(H)S im Kindesalter vorherrschende motorische Unruhe weicht bei Erwachsenen den Gefühlen innerer Anspannung und angespannter Nervosität.

AD(H)S Patienten zeigen außerdem Probleme sich in neuen sozialen Situationen anzupassen und den sozialen Verhaltenserwartungen zu entsprechen, wodurch starke soziale Probleme auftreten können.

Du solltest Dich diagnostisch prüfen lassen wenn Du bei dir über 6 Monate lang die folgenden Symptome beobachtest:

  • Unaufmerksamkeit: gegenüber Details, häufige flüchtige Fehler, schnelle aber kurze Begeisterung und geringe Ausdauer
  • Überaktivität: Körperliche Unruhe, wackeln mit Bein, nicht ruhig sitzen können, in unangebrachten Situationen herumlaufen
  • Impulsivität: unangebrachte, schnelle Antworten, nicht warten können bis man dran ist, andere beim Reden unterbrechen.

Weltweit leiden 5,3% der Menschen unter einer Form von AD(H)S.

Bei Kindern sind es 2%-6%. Die AD(H)S der Kindheit bleibt bei 50% der Menschen auch im Erwachsenenalter bestehen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht dabei von einer Prävalenz zwischen 6%-13% in Erwachsenen aus. Bei 85% der Betroffenen sind komorbide (zusätzliche) psychische Störungen an der Tagesordnung, wobei Depressionen und Angststörungen am häufigsten bei AD(H)S berichtet werden.

yoga-adhs

Übliche Behandlung bei AD(H)S

Da der AD(H)S eine Stoffwechselstörung im Gehirn zu Grunde liegt, neigen Ärzte dazu vor allem auf medikamentöser Ebene zu intervenieren. In Zahlen bedeutet dass, dass 87% der unter AD(H)S leidenden Kinder und Erwachsenen täglich gezwungen sind Medikament zu schlucken.

Die Weltgesundheitsorganisation hat in diesem Zusammenhang festgestellt, dass 60% der mit Medikamenten behandelten Menschen nach 1 Jahr keine Verbesserung ihrer Symptome berichten. Bei AD(H)S wird vor allem Methylphenidate (Ritalin) verabreicht. Trotz Medikament zeigen 25%-35% der Betroffenen keine Besserung der AD(H)S Symptome.

Das Ziel einer medikamentösen Behandlung bei AD(H)S ist es den Dopamin Spiegel im Stirnhirn zu regulieren. Das Dopamin ist ein Neurotransmitter der für Antrieb, Belohnung und das Erlernen neuer Inhalte verantwortlich ist. Ist zu wenig Dopamin vorhanden, ist eine schlechte Aufmerksamkeit und eine schlechte, lückenhafte Speicherung von Informationen die Folge. Außerdem sinkt die Bereitschaft der Betroffenen auf langfristige Belohnungen zu warten. Die Bedürfnisbefriedigung hat „sofort“ zu sein. Störungen in den exekutive Funktionen wie dem Entwerfen, dem Überwachen und dem Prüfen von Handlungsplänen werden durch einen Mangel an Dopamin ebenfalls begünstigt.

Die gute Nachricht: Der Spiegel des Dopamins in Kortex (Großhirnrinde) lässt sich auch mittels Yoga, völlig medikamentenfrei anregen!

Warum und wie hilft grade Yoga bei AD(H)S?

Yoga ist eine Praxis die nachweislich soziale, emotionale, Verhaltens- und Lernprobleme lindert. All diese Schwierigkeiten sind bei AD(H)S Gang und Gebe. Die Regulation physiologischer und mentaler Prozesse wirkt sich in der Yogapraxis sowohl auf neuropsychologischer als auch auf neurophysiologischer Ebene aus.

Mittels Yoga kann folglich die Konzentrationsfähigkeit, die Fähigkeit zum Ruhigwerden und die Muskelanspannung sowohl positiv beeinflusst als auch deutlich verbessert werden.

Es ist mittlerweile bekannt und anerkannt, dass Yoga den parasympathischen Ast des autonomen Nervensystems aktiviert. Der Parasympathikus versetzt uns in Ruhe, macht uns emotional ausgeglichener, innerlich ruhiger und konzentrierter. Auch hier wird wieder sehr deutlich, dass Yoga genau die Bereiche stimuliert, die in AD(H)S gestört sind und, dass der Yoga den AD(H)S Kernsymptomen genau entgegengesetzt wirkt.

Wissenschaft des Yoga bei AD(H)S

Die positiven Effekte der Yogapraxis bei AD(H)S haben sich auch zahlreichen klinischen Forschern erschlossen. Untersuchungen an Kindern und an Erwachsenen berichten starke Verbesserungen, sprich mittlere bis hohe Effekte des Yoga auf die AD(H)S Symptome.

Die Ergebnisse der Untersuchungen weisen ferner darauf hin, dass die Symptome der AD(H)S auch ohne Medikamente – nur durch Yoga zum Teil auf das Niveau Gesunder herabgesenkt werden können.

Aber warum ist das so?

Yoga stärkt die Netzwerke, die im Gehirn für die Kontrolle der Aufmerksamkeit zuständig sind und verbessert so die in AD(H)S gestörten exekutiven Funktionen. Als exekutive Funktionen werden vor allem die kognitive, bewusste Kontrolle, das Setzen von Zielen und die Zielverfolgung, Impulskontrolle, emotionale Selbstbeherrschung, bewusste Aufmerksamkeitssteuerung, motorische Umsetzung von Handlungen als auch Beobachtung der Handlungsergebnisse und Selbstkorrektur verstanden.

Yoga-Aufmerksamkeit

Diese exekutiven Funktionen sind an die Funktionen des Stirnhirns (präfrontaler Kortex – PFK) gebunden. Dieser Bereich des Gehirns ist wiederrum für das Ausrichten und Aufrechterhalten der Aufmerksamkeit und Kontrolle zuständig – Fähigkeiten, die der Yoga explizit trainiert.

Wissenschaftler haben bei Menschen, die unter AD(H)S leiden festgestellt, dass genau dieser Bereich im Gehirn weniger aktiv ist als in gesunden Personen. Die Folge dieser Hypoaktivität der PFK ist eine geringere kognitive und emotionale Kontrolle und weniger kontrollierte Aufmerksamkeit. Und auch hier hilft der Yoga.

DENN: Yoga stärkt den präfrontalen Kortex und somit auch die Kontrolle, die Aufmerksamkeit und die exekutiven Funktionen.

Das Aufmerksamkeit-Defizit-(Hyperaktivität)-Syndrom ist außerdem durch einen hohen Spiegel an Cortisol im Blut gekennzeichnet. Ein dauerhaft hoher Kortisol Spiegel beeinträchtigt wiederrum die ehe schon gestörten exekutiven Funktionen und die Fähigkeit zur Selbststeuerung. Sind die exekutiven Funktionen und die Selbststeuerung herabgesetzt sind Betroffene anfälliger für Stress und externe Trigger. Der Kreislauf schließt sich.

ABER: auch hier schafft Yoga Abhilfe, denn er senkt nachweislich den Kortisol Spiegel und mindert so die Stressantwort in unserem Körper.

Ein weiteres Netzwerk welches in AD(H)S einen gestörten Stoffwechsel aufweist ist das Default Mode Netzwerk (DMN). Dieses Netzwerk ist bei Gesunden vor allem in Ruhe aktiv.

In AD(H)S wurde allerdings festgestellt, dass dieses Netzwerk fast immer aktiv ist und sich nur schwer runterregulieren lässt. Sind die Netzwerke, die für die kognitive Kontrolle zuständig sind (Stirnhirn) und das DMN gleichzeitig aktiv entstehen Symptome der AD(H)S. Denn: eine psychische Gesundheit ist damit assoziiert, dass entweder der PFK (Präfrontale Kortex-Stirnhirn) oder der DMN aktiv sind. Das Problem die Aktivität im DMN zu mindern führt zu Aufmerksamkeitslücken und Leistungsschwierigkeiten.

Das gestörtes Zusammenspiel zwischen den Netzwerken für kognitive Kontrolle, dem DMN und dem limbischen System (Emotionssystem) führen zur Störungen im neuronalen Funktionieren in AD(H)S und zu den typischen Schwierigkeiten in der Aufmerksamkeit, im Verhalten und in der Kontrolle von Handlungen und Emotionen. Yoga setzt genau hier an!

Je nach Übungsart (Meditation, Pranayama oder Asana) fördert er die Aktivität der Netzwerke die die Aufmerksamkeit Bewusstheit und die kognitiven Aspekte kontrollieren oder aber die Strukturen wie das DMN, das vorwiegend dann aktiv wird wenn wir ruhen.

Und so hilft der Yoga bei der Bewältigung der Symptome einer AD(H)S:

Bewältigung von AD(H)S in 3 yogische Schritten

1Meditation Praxis bei AD(H)S

Die hohe Ablenkbarkeit der Menschen mit AD(H)S erschwert die Meditationspraxis, die wiederrum nachweislich auf das Gehirn und seine Botenstoffe (insbesondere auch auf das Dopamin) einwirkt und es verändern kann.

Bevor bei AD(H)S mit der Meditation begonnen wird muss dringendst darauf geachtet werden externe Störfaktoren weit möglichst zu vermeiden. Das betrifft sowohl Einflüsse des Lichts, der Körperempfindungen (jucken etc.) als auch der Geräusche.

Ferner muss die kurze Aufmerksamkeitsspanne in AD(H)S berücksichtigt werden. Aus den obengenannten Gründen sind bei Menschen mit AD(H)S mehrere eher kurze Mediationsphasen zu empfehlen.

Meinen Patienten empfehle ich täglich morgens und abends, immer zur gleichen Zeit am gleichen Ort auf die gleiche Weise zu meditieren. Die Dauer der Meditation sollte zu Beginn 10 Minuten nicht überschreiten, da das lange Stillsitzen und das Aufrechterhalten der Aufmerksamkeit überhaupt in AD(H)S extreme Anstrengungen bedeutet. Mögliche Meditationsformen, die bei AD(H)S gut angewandt werden können sind deshalb Meditation in Bewegung und Meditation auf einen Punkt/auf ein Objekt.

Hier geht es zur Anleitung der Meditation in Bewegung.

Die regelmäßige Praxis der Meditation im Bewegung (achtsamem Gehen) wirkt Verhaltensforschern zu Folge bereits nach 5 Tagen auf die AD(H)S Symptome ein. Mehr noch: Die Wirkung dieser Praxis gleicht beinahe der Wirkung von Ritalin. Achtsames Gehen kann die charakteristischen Symptome der AD(H)S verringern, soziale und motorische Fähigkeiten stärken und neuropsychologische Parameter verbessern.

Hier geht es zur Anleitung der Punktmeditation.

Die Meditation auf den Punkt bietet eine praktische Möglichkeit den primären visuellen Kortex und den PFK zu stärken. Die visuelle Fixierung auf ein Objektes (Punktmeditation), eine Flamme oder die mentale Fixierung eines Objektes im Kopf führt in AD(H)S zur Zunahme der grauen Substanz im visuellen und im Präfrontalen Kortex, den Bereichen, die in AD(H)S unteraktiv sind. Die in AD(H)S typische Ablenkbarkeit durch visuelle Reize aus der Umwelt nimmt, Forschern zu Folge im Praxisverlauf ab.

2Pranayama Praxis bei AD(H)S

Ein Pranayama das wissenschaftlichen Untersuchungen nach in AD(H)S die Aufmerksamkeit fördert und die Symptome lindert ist das Kapalabhati Pranayama.

Dieses Pranayama senkt das CO2 Niveau im Blut wodurch zunächst die Atmung und anschließend auch der Kopf still werden. Kapalabhati ist deutlich in der Lage die Hirnaktivität zu verändern. So nimmt während der Stoßatmung die Aktivität in der Großhirnrinde ab bei gleichbleibender Funktion des limbischen Systems (Emotionsnetzwerk).

Ein „klarer, leerer Kopf“ ist die Folge. Menschen mit AD(H)S haben oft mit aufkommender Aggressivität und Angst zu kämpfen. Kapalabhati bringt auch hier Linderung, da diese Emotionen stoßweise abgeatmet werden können.

Die gestörte Kontrolle und Regulation von starken Emotionen wird durch dieses Pranayama gefördert und die Emotionsregulationsfähigkeit gestärkt.

3Asana Praxis bei AD(H)S

Bei AD(H)S sind vor allem die Asanas zu empfehlen, die die visuellen und die präfrontalen Netzwerke im Gehirn zusätzlich stärken. Einen solchen Fokus bieten Asanas, die das Gleichgewicht fördern, wie zum Beispiel Tadasana (der Berg).

Die Subtile Umstellung und Neuausrichtung des Körpers durch das Grade werden, sich aufrichten und Strecken steigert die subjektive „Standfestigkeit“. Diese Haltung sagt etwas darüber aus wie jemand im Leben „steht“.

Weitere hilfreiche Asnasa sind Vakrasana (der Baum) und Natarajaasana (der Tänzer) sein.

Während der Asanapraxis bei AD(H)S ist darauf zu achten, sich nicht durch Misserfolge wie „das Gleichgewicht verlieren“ abschrecken zu lassen – ein häufiges Problem bei AD(H)S. Und konsequent weiter üben, immer wieder das Gleichgewicht zu suchen und zu finden, sodass sich positive Erlebniserfahrungen und so auch die erwünschten positiven Veränderungen einstellen können. Übungen die das Gleichgewicht trainieren verdeutlichen zudem den Zusammenhang zwischen dem inneren und dem äußeren Gleichgewicht, „wie Innen so Außen“.

Ashtanga/Vinyasa Yoga bei AD(H)S:

Grade bei AD(H)S wird empfohlen eine Hochfrequente Aktivität zu vollziehen (Vinyasa oder Ashtanga Yoga, Sonnengrüße, und auch kognitiv anspruchsvoll und somit das Aufmerksamkeitsnetzwerk-stärkende Asanafolgen.

Intensive körperliche Übungen heben den Dopaminspiegel im PFK und lindern die AD(H)S Symptome.

Untersuchungen zeigen, dass bereits eine 2 mal wöchentlich für 30 Minuten praktizierte Yogaasnapraxis die Symptome der AD(H)S mildern kann.

Tipp für Dich wenn Du unter AD(H)S leidest oder jemandem mit AD(H)S helfen möchtest:

Regelmäßigkeit und langfristige Motivation auf ein Ziel hin (zum Beispiel das Ziel regelmäßig Yoga zu praktizieren) sind für Menschen mit AD(H)S mit einer extremen Anstrengung verbunden.

Das Warten auf die Belohnung (zum Beispiel durch die Verbesserung der Symptome) dauert bei regelmäßiger Praxis 3-8 Wochen und erfolgt eher selten „sofort“.

Die Motivation weiter zu üben nimmt daher bei Menschen mit AD(H)S durch die Störung des Belohnungssystem (Dopamin System) zwangsläufig ab.

ABER: Die Überwindung von sich selbst und dem eigenen Unwillen ist extrem hilfreich. Mit jeder neuen Praxiseinheit fällt es Betroffenen leichter, die nötigen Übungen zu praktizieren und über den eigenen Schatten zu springen. Vor allem dann, wenn endlich nach 3 bis 8 Wochen die ersten deutlichen Verbesserungen der Symptome wie mehr Aufmerksamkeit, weniger Ablenkbarkeit, mehr innere Ruhe und Konzentration, besserer Umgang mit den eigenen Emotionen weniger soziale Probleme auftreten realisiert werden.

Maria Wolke

<a href="http://www.mariawolke.com/">Maria Wolke</a> Maria Wolke ist studierte Sportwissenschaftlerin, Yogalehrerin und Therapeutin. Durch ihre Doktorarbeit in klinischer Psychologie liegt der Schwerpunkt ihrer Yogapraxis auf der positiven und heilen-den Wirkung des Yoga mit dem Ziel die Psyche zu stabilisieren und das Gehirn zu verändern und zu heilen. Das Yoga hat sie in Indien gelernt und: Es hat ihr Leben verändert. Maria ist außerdem Autorin für den Junfermann Verlag und aktive Bloggerin. Sie gibt Workshops und Seminare und bietet Wochenendretreats zum Theme Yoga und Psyche. Die Techniken des Yoga, die ihr in ihren Retreats kennen und anwenden lernt, dienen wissenschaftlich fundiert dazu, Stress vor-zubeugen bzw. abzubauen sowie unangenehme Emotionen zu regulieren sowie alte schädliche Verhaltens- und Denkweisen nach und nach durch neue und konstruktive Muster zu ersetzen.

12 thoughts on “Bewältigung von AD(H)S in 3 yogische Schritten

  1. Maria Ma says:

    In meiner Tätigkeit als Sozialarbeiterin hatte gefühlt jedes zweite Kind die Diagnose ADHS und bekam von dem zuständigen Arzt Medikamente verschrieben. Mich hat diese Tatsache und wie der Medikamentenkonsum dann noch von allen Seiten (Eltern, Lehrer, Erzieher, Arzt. etc.) gerechtfertigt wurde, immer sehr traurig gemacht.
    Yoga ist sicherlich ein wertvolles Tool in der Bewältigung von ADHS. Aus der Praxis möchte ich allerdings hinzufügen, dass die Kinder, die mit ADHS diagnostiziert wurden, alle durchgehend aus sehr schwierigen Familienverhältnissen kamen. Von daher wäre es gerade bei Kindern notwendig die Eltern miteinzubeziehen, um schwierige Lebensumstände nicht nur erträglich zu machen, sondern schön zu gestalten. Kinder sind abhängig von ihren Bezugspersonen und brauchen ein Lebensumfeld, in dem sie sich wohlfühlen und selbstwirksam sind. Das ist eine multifaktorielle Angelegenheit bei dem Asanas und Co. nicht reichen, solange sich zu Hause nichts ändert.
    Bei Erwachsenen, die selbst verantwortlich für sich und ihre Lebensumstände sind, sieht das natürlich anders aus. Ich denke der Artikel richtet sich auch an solche. Allerdings wollte ich mir es nicht nehmen lassen, meine Erfahrung aus der Praxis mit euch zu teilen.

    Alles Liebe
    Maria Ma

  2. Maria Wolke says:

    Liebe Maria,
    Vielen Dank für Deinen Kommentar! Du hast ganz und gar recht, dass grade bei der Arbeit mit Kindern die Familie nicht außer Acht gelassen werden kann und darf. Die familiären Verhältnisse bedingen schließlich die Störung. Der obige Artikel allerdings bezieht sich im Schwerpunkt auf die ADHS Störung im Erwachsenenalter. Und in diesem Falle kann jeder Erwachsene mit Hilfe von Yoga (Yoga ist nicht gleich ASANA) erfolgreich sein Leben meistern und ggf. verbessern. Ein spezifischer Artikel über Yoga bei Kindern mit ADHS folgt bald:). Da wird die familiäre Interaktion im und durch Yoga explizit erwähnt. Auch wird die Notwendigkeit die Familie hinzuzuziehen erklärt.
    Liebe Grüße
    Maria

  3. Elli says:

    Liebe Maria,
    ich bin durch Zufall auf deine Seite gestoßen und möchte deine Zeilen gerne bestätigen.
    Ich bin Erwachsen (46) betroffen von Adhs und mache seit 5 Jahren Yoga- mittlerweile unterrichte ich auch – und ich kann die Erfahrungen bestätigen – es fokussiert mich – es beruhigt und entstressst mich. Ich kann mit yoga viel besser lernen (das habe ich währen meiner Ausbildung zur Yoga Lehrerin und bei einem Stellenwechsel festgestellt) und ich kann absolut nachvollziehen das es auch sozial -na ich will mal sagen „gut tut“ – man lernt nach innen zu gehen, auf sich zu achten, und wenn dann noch diese schwierigen Familienverhältnisse dazu kommen ist auch dort Yoga ein guter Ansatz, denn man verliert das Werten, katigorisieren und lernt sich und andere zu lieben und zu akzeptieren mit alle Facetten, auf einen sehr schöne Art und Weise. Und das tut auch den ADHS betroffenen Kindern (mein Sohn) gut- denn ich bin auch sehr viel geduldiger und tolleranter geworden.
    Und früher oder später findet Yoga nicht mehr nur auf der Matte statt, sonder dann wird je nach intensität der Praxis Yoga ins Leben transportiert und dann wirds spannend 🙂 und ganzheitlich!

    Alles liebe
    Elli

  4. Maria Wolke says:

    Liebe Elli,

    vielen Dank für Deinen Kommentar! Er bringt genau das zum Ausdruck was ich mit diesem Beitrag über Yoga bei ADHS inhaltlich darstellen wollte. Yoga bringt uns zu uns selbst…und lindert Symptome der ADHS wie geringe Aufmerksamkeit, emotionale Instabilität und Hyperaktivität sanft und bei regelmäßiger Praxis langfristig. Zahlreiche internationale Forschungsarbeiten widmeten sich diesem Thema und belegen die positive Wirkung des Yoga auf ADHS – sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen. Dein Erfahrungsbericht bestätigt auf eine wunderbare Weise diese Ergebnisse und zeigt von der praktischen Seite wie sich die Veränderung innerer psychobiologischer Abläufe durch Yoga auf das tägliche Leben auswirkt. Vielen Dank dafür! Vielleicht hast Du interesse Deine persönliche Yogaerfahrung in meinem Buch „Yoga für die Seele“ für andere Leser publik zu machen? Ich suche Menschen, die durch Yoga Heilung erfahren haben und Ihre Erfahrungen mit anderen Betroffenen und Interessierten teilen möchten. Ich würde mich sehr freuen:).

    Alles Liebe und Namaste
    Maria Wolke

  5. YogaTalk says:

    Bin ganz zufällig über deine Seite gestoßen.:) Ich habe zwar kein Adhs aber ich muss sagen das dieser Beitrag echt sehr gut ist. Ein Freund von mir ist von Adhs betroffen. Beitrag hab ich ihm schon weitergeleitet.:) Weiter so.:)

    LG YogaTalk

  6. Nora Ebert says:

    Liebe Maria! Das ist ja ein Zufall. Ich habe gerade im Zuge meiner 300+ AYA Yogalehrer Ausbildung eine 50 Seite Hausarbeit über Yoga und ADHS geschrieben, und erst jetzt sehe ich deinen Beitrag….wollte gerade noch mal was im Asanayoga.de nachschlagen, weil morgen habe ich Prüfung. Ich habe deinen Beitrag nur überflogen und viele gemeinsame Sachen entdeickt, aber da ich ja morgen die Prüfung habe wollte ich mich nicht noch mit zusätzlichen Infos überschütten. Das Thema ist megaspannend. Ich selbst habe auch ADHS und habe nun ein 12 Stündiges Konzept entwickelt. Mal schauen wie das morgen ankommt! Dann lese ich mir deinen Beitrag in Ruhe durch. Liebe Grüße Nora

    • Maria Wolke says:

      Liebe Nora,
      Vielen Dank für Deine Anmerkung. Deine Prüfung hast Du bestimmt mit sehr gut bestanden! Ein 12 stündiges Konzept? Genial!! Vielleicht hast Du Lust Dich mit mir auszutauschen? Ich würde mich sehr sehr freuen:). Ich bin fasziniert von der Wirkung des Yoga auf die Psyche-meine absolute Leidenschaft-sowohl in Selbsterfahrunga als auch in der Arbeit mit klinischen Patienten. Immer wieder erstaunlich was Yoga kann…
      Namaste
      Maria

    • Mona says:

      Hallo Nora,
      ich verfasse momentan eine Arbeit zu dem Thema Yoga für Kinder mit der Diagnose ADHS und würde mich sehr über einen Austausch von Literaturtipps freuen!
      Vielen Dank und liebe Grüße,
      Mona

      • Anonymous says:

        Liebe Maria
        Mein Gott ist das peinlich…ich habe damals gar nicht mehr auf die Seite geschaut, war wohl zu sehr beschäftigt! Wenn du immer noch Interesse an einem Austausch hast, würde ich mich total freuen. Meine e-mail Adresse: n.ebert@mixedzone.com.
        Namaste

  7. LUIS says:

    Liebe Maria,
    mich würde interessieren, welche wissenschaftliche Beiträge zur Wirksamkeit von Yoga bei einer ADHS im Kindes- und Jugendalter genau existieren und wo diese aufzufinden sind.
    LG

  8. Maria Wolke says:

    Lieber Louis,

    Die Literatur, die ich für meine Beiträge verwende finde ich vorwiegend in psychologischen Datenbanken. Ich persönlich arbeite vorwiegend mit PsycINFO und beziehe meine Quellen von dort. Solltest Du zu solchen Datenbanken keinen Zugang haben empfehlt sich ebenfalls PUBMED: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed.

    Leider gibt es zu Yoga nur wenige Veröffentlichungen in deutscher Sprache. Solltest Du an der Literatur interessiert sein, die ich für diesen Artikel verwendet habe kontaktiere mich bitte unter dem Kontaktformular auf meiner Homepage und ich lasse sie Dir gerne zukommen.

    Liebe Grüße,
    Maria

  9. Pingback: Wirkung von Yoga auf die Psyche

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