Asteya – Frei von Verlangen (Das 3. Yama)

Asteya 3. Yama

Loslassen wirkt befreiendDieses Yama wird zunächst übersetzt mit „Nicht-Stehlen“/ Frei werden von Verlangen.

In dem Buch von Gerard Blitz (Der Yogaweg des Patanjali) heißt es wörtlich:

Wenn das Verlangen zu nehmen erlischt, kommen die Juwelen zum Vorschein (Sutra II,37). Wenn man nichts will, kann alles zustande kommen.

Dazu habe ich mir eigene Gedanken gemacht, wie ich das in der heutigen Zeit für mich leben kann.

Verzichten auf Verlangen bedeutet für mich, frei zu werden von Ballast, von Überflüssigem, von Erwartungen und Ansprüchen an andere und an mich. Frei zu werden auch von falschen Vorstellungen, wie das Leben zu sein hat. Und wenn ich noch tiefer in mich hinein lausche, komme ich zu der Deutung, dass es schlussendlich einfach nur darum geht:

Loszulassen.

So kann ich mir im Alltag die einfache Frage stellen: Woran halte ich fest?

Hier geht es nicht darum, auf alles zu verzichten und in Askese zu leben, sondern mir klar zu machen, dass ich viel weniger äußere, materielle Güter brauche, um glücklich zu sein. Es geht darum, zu erkennen, dass mein kleines Ego mich ständig am Rennen hält, weil es sich am Außen orientiert! Weil es bewertet und vergleicht und ständig auf der Suche ist nach dem ultimativen Kick!

Ist es wirklich so, dass ich erst glücklich bin, wenn ich Karriere mache, in einer teuren Wohnung lebe, das super-schnelle Auto fahre, ich mehr Geld verdiene, das nächste große Ziel erreicht habe?

Ist es nicht oft so, dass Du nach dem Erreichen Deiner vermeintlichen Träume und Sehnsüchte plötzlich bemerkst, dass es Dir nicht mehr so wichtig ist? Viele Menschen fallen nach dem Erreichen eines großen Ziels oder der Beendigung eines arbeitsintensiven Projekts oft wie in ein leeres Loch. Dies ist oft eine große Chance für einen Umbruch, um sich die Frage zu stellen:

Was macht mich wirklich glücklich?

In der heutigen Zeit, in der Erkrankungen wie Burn Out, Stress und Depression immer mehr zunehmen, der Mensch nur noch unter dem Aspekt der Leistung bewertet wird, bekommt der innere Weg immer mehr Bedeutung!

Oft ist diese Erkrankung ein Wendepunkt im Leben, an dem sich der Mensch dem Wesentlichen nähert! Hier kann das Yama Asteya eine Neuorientierung geben:

  • Was wäre, wenn ich mal eine Zeitlang verzichte auf alles Wollen?
  • Was geschieht, wenn ich einfach nur Sein darf, mit allem was mich ausmacht?

Asteya bekommt für mich noch eine andere Bedeutung!

Zunächst geht es um das Loslassen von überflüssigem und dann auch um die Hingabe an das, was sich gerade in meinem Leben zeigt. „Die Juwelen“ zeigen sich, wenn ich bereit bin, in jedem Augenblick das anzunehmen, was das Leben mir bietet.

Da jeder Mensch eine Art von Sicherheitsbedürfnis hat, geht es bei Asteya auch darum, sich bewusst zu machen, das nichts wirklich sicher ist. Was wirklich sicher ist, dass das Leben ständig Veränderungen unterworfen ist. Eine äußere Sicherheit ist eine Illusion, die vom Ego aufgebaut wird. Mein Job, mein Haus, mein Partner, viel Geld auf dem Konto– wie schnell und vergänglich ist das?

Asteya: Das Lebend ist ständig im Wandel
Asteya: Das Leben ist ständig im Wandel

Viele Menschen arbeiten in einem Job, der sie nicht wirklich glücklich macht, aus einem Sicherheitsbedürfnis heraus. Die einzigartigen Talente und Fähigkeiten warten darauf, entfaltet zu werden, doch sie gehen weiter einer ungeliebten Arbeit nach, weil der sichere Gehaltsscheck am Monatsende eine Schein-Sicherheit bietet.

Vielleicht muss dieser Mensch den Job schließlich verlieren, damit eine Neuorientierung möglich wird?

Bevor das Leben dafür sorgt, dass etwas, was nicht mehr stimmig ist, losgelassen werden muss – wäre es da nicht sinnvoller sich im Alltag öfter die Frage zu stellen: Woran halte ich fest? Was bin ich bereit loszulassen?

Hier einige Fragen, die Du Dir im Zusammenhang mit Asteya stellen kannst:

  1. An welchen äußeren Dingen/Menschen/Situationen halte ich fest?
  2. An welchen Gedanken und Vorstellungen halte ich fest?
  3. Welche Gefühle halte ich fest?
  4. Wie viele materielle Dinge brauche ich wirklich?
  5. Was schenkt mir wirklich Sicherheit?
  6. Was kann ich für meine „innere Sicherheit“ tun?
  7. Habe ich innerlich das Gefühl „versorgt und sicher“ zu sein?
  8. Fühle ich mich innerlich ausreichend genährt?

Alltagsübungen:

Um Loslassen zu können, ist es wichtig zunächst innerlich Vertrauen aufzubauen und eine gute „Basis“ zu haben. Sowohl äußerlich wie innerlich. Da Körper, Geist und Seele eine Einheit bilden, hilft es enorm, wenn ich auf der körperlichen Ebene die Basis stärke! Mit „Basis“ meine ich hier das Becken.

Wenn mein Becken stark und beweglich ist, spiegelt sich das auf den inneren Ebenen wieder. Das Gefühlsleben wird stabiler, ungewohnte äußere Situationen und Lebensumstände werden besser bewältigt. Nichts wirft mich so schnell um! Ich vertraue mir und dem Leben. Ich bin bereit „das eigene Wollen“ immer mehr loszulassen.

7 effektive Übungen zur Stärkung der Basis

1Beckenkraft auf dem Stuhl

Die Sitzknochen spüren und sich von den Sitzknochen her aufrichten: Fußsohlen fest in den Boden drücken, Sitzknochen nach unten in den Stuhl, den Scheitelpunkt himmelwärts strecken.

Jetzt den Beckenboden aktivieren und 10 mal im Atemrhythmus anspannen und wieder lösen. Sich dabei vorstellen, wie man das Becken vom Stuhl heben möchte.

2Beckenbeweglichkeit

Das Becken auf dem Stuhl in Form einer liegenden Acht kreisen lassen.

3Beckenkreisen in der Rückenlage

Morgens im Bett zuerst das Becken mehrmals mit aufgestellten Beinen kreisen lassen, dann die Beine an den Oberkörper ziehen und die Knie kreisförmig bewegen.

4Schulterbrücke

Sarvangasana Setu Bandha (Die Schulterbrücke)
Morgens im Bett die Füße vor dem Gesäß aufstellen, das Becken runden, dabei wandert das Steißbein Richtung Schambein, das Schambein Richtung Nabel. Jetzt das Becken und die Wirbelsäule von der Unterlage abheben, bis das Körpergewicht nur noch auf den Füßen und Schulterblättern liegt, atmend halten und die Stabilität aus den Beinen und dem Becken wahrnehmen.

5Standfestigkeit

Im Stand die Fußsohlen wahrnehmen. Das Gewicht mal nach vorne und hinten verlagern, ohne dass die Fersen oder die Zehen sich heben. Die Aktivierung der Muskeln im ganzen Körper spüren, die den Körper halten, selbst wenn das Gewicht verlagert wird. Die Vorstellung haben: aus meinen Fußsohlen wachsen kleine Wurzeln in die Erde und verankern sich dort.

Jetzt die rechte Beckenseite heben, den rechten Fuß vom Boden lösen, die Fußsohle auf den anderen Fuß setzen, das rechte Knie wandert dabei nach außen (Variation von Vrksasana – die Haltung des Baumes).

6Atemlenkung

Im Alltag immer mal wieder die Fußsohlen, die Beine und das Becken wahrnehmen. Den Atem in die Fußsohlen lenken.

7Affirmation

Im Alltag öfter folgenden Satz denken und auch fühlen: Ich bin jetzt sicher und geborgen und ich vertraue darauf, dass ich mit allem was ich brauche versorgt bin.

Sich dabei fragen: Welche Beweise finde ich gerade jetzt dafür, dass ich sicher und geborgen bin, dass das Leben für mich sorgt?

Maria Dieste

Ausbilderin für Heil-Yoga® Sie unterrichtet Yoga seit zwanzig Jahren und ist Deutschlands führende Expertin in Heil-Yoga®. In Ihrer 2009 gegründeten „Akademie für Heil-Yoga®“ bietet sie Fortbildungen und Ausbildungen an, für Yogalehrende und erkrankte Menschen, die mehr Informationen zu den Beschwerdebildern und Anleitung zur Selbsthilfe im Alltag, sowie Tipps zur präventiven Gesunderhaltung bekommen möchten. Ihr Anliegen ist es, die östliche Yogalehre und Philosophie an die individuellen Bedürfnisse des westlichen Menschen anzupassen, und zwar unter Berücksichtigung anatomischer, funktioneller und spiritueller Gesetzmäßigkeiten. Sie steht, lebt und arbeitet für ein neues, ganzheitliches Gesundheitsbewusstsein als Basis für Wohlbefinden und Erfüllung im Leben jedes Einzelnen.

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