Dem Stress ein Schnippchen schlagen – Methoden, sich seelisch eine Auszeit zu nehmen

Methoden gegen Stress

Stress ist nicht gleich Stress. Stress kann sich auf vielfältige Weise artikulieren. Stress kann positiver Natur sein, die Aussage „Ich bin im Stress“ hat einen positiven Nebenaspekt, der ein Gebrauchtsein, ein Beschäftigt-Sein impliziert, und dem Zuhörer die schlichte Botschaft signalisieren soll: Ich werde gebraucht. Positiver Stress und Kreativität bedingen sich oft wechselseitig und bilden eine wertvolle Basis für Fortschritt und Weiterentwicklung. Was jedoch für den einen noch positiv ist, kann für den nächsten schon als negativ empfunden werden.

So regiert der negative Stress vielfach Büros und Abteilungen in einer schnelllebigen Zeit, in der Parameter wie Erfolg, Wachstum, Leistung vorherrschendes Dogma sind. Nicht überraschend hat die Weltgesundheitsorganisation daher Stress zur beherrschenden Geißel des 21. Jahrhunderts ernannt und sieht in ihr eines der größten Gesundheitsrisiken in einer Berufswelt von morgen, in der die Zeitspanne zwischen Auftrag und Erfüllung immer enger getaktet ist. Fatale Rahmenbedingungen kann der Einzelne zwar meist nicht ändern, was kann er aber für sich tun, welche Möglichkeiten bieten sich ihm, der allgegenwärtigen Stressfalle so weit als möglich zu entgehen?

1Von Lust und Last in Beruf und Familie

Methoden gegen Stress Wecker

In einer bevölkerungsrepräsentativen Studie zum aktuellen Stress-Status in Deutschland räumten 57 Prozent der Befragten ein, manchmal bis häufig im Alltag mit Stress-Situationen konfrontiert zu sein, für jeden Fünften ist Stress Dauerthema. Dabei trifft das Phänomen überproportional auf die mittlere Altersgruppe der 36- bis 45-Jährigen zu, die besonders mit dem Spagat zwischen beruflichen Anforderungen und familiären Erfordernissen zu kämpfen haben. Je älter die Personengruppe, umso niedriger ist der Stresslevel, wenn die Kinder groß und selbstständig sind, und der Beruf langsam aber sicher in ruhigerem Fahrwasser in Richtung Rente schippert.

2Negative gesundheitliche Auswirkungen

Die Zahlen ähneln denen einer statista-Auswertung, die von jedem fünften Befragten eine negative Rückmeldung hinsichtlich der eigenen Einschätzung des Arbeitsalltags verzeichnet. Wirtschaftliche Sorgen, die eigene Finanzlage sowie eine unbefriedigende Situation am Arbeitsplatz – oftmals verbunden mit der Angst vor Jobverlust – wurden als Primär-Ursachen für Stress-Empfinden angegeben. Demzufolge lag der Bevölkerungsanteil mit depressiven Symptomen 2010 bei 26 Prozent, Stress wird weithin als Auslöser von psychischen Erkrankungen wie Depressionen oder Burnout angesehen.

Und die Bertelsmann-Stiftung diagnostiziert ein zu hohes Arbeitstempo in den Firmen, ständiger Verzicht auf Pausen in 23 Prozent aller Fälle sowie eine Aufnahme der Arbeit trotz Krankheit bei rund 12 Prozent aller Befragten.

Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, sowie Schwächung des Immunsystems sind nur einige physiologische Auswirkungen bei chronischem Dauerstress.

Mehr denn je sind angesichts solch alarmierender Zahlen Entspannungstechniken gefragt, um einem gefährlichen Dauerkreislauf zu entrinnen.

3Wirksame Waffen gegen Stress

Neben körperlicher Fitness, regelmäßiger Bewegung und Sport ist eine gesunde, ausgewogene Ernährung das beste Mittel zur Prävention und zum Abbau von stressbedingten Problemen, wie der Sportwissenschaftler der Uni Heidelberg, Gerhard Huber, auf einem von der Welt gemeinsam mit der Barmer GEK veranstalteten Experten-Kolloquium „Umgang mit dem Stress“ in Berlin zu Protokoll gab. Stresshormone würden schneller abgebaut, der gesamte Körper sei weniger anfällig für Entzündungen und die Regenerationszeit nach psycho-physischen Belastungsspitzen seien geringer.

Auf eine andere Form der Prophylaxe weist die WIWO hin: Entspannungsübungen. In einem Zehn-Punkteprogramm setzt sich das Blatt unter anderem für Autosuggestionen ein: Regelmäßig bewusst Pausen einlegen, dabei die Augen schließen, tief durchatmen und sich etwas Positives in Gedanken langsam vorsprechen lautet die Devise.

Sich öfters mal bewusst eine kurze Auszeit zu gönnen, ist laut Sportnahrung Engel ein probates Mittel, das Portal sieht gerade im autogenen Training ein perfektes Gegengewicht zum sonstigen stressigen Leben. So gelangen dem Ur-Vater der bewussten Auto-Suggestion, dem französischen Apotheker Émile Coué bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts mit der Methode große Erfolge in allen Lebensbereichen (Depressionen, Stress, Krankheiten). Autogenes Training werde mit jeder Anwendung intensiver und sorge auf Dauer für reduzierten Stresslevel, bessere Auffassungsgabe, höhere Konzentration und stärkere Fokussierung.

Methoden gegen Stress Spaziergang

Wer es mit Meditation versuchen möchte, kann sich mittlerweile spezielle Apps wie „Headspace“ auf das Smartphone herunterladen und sich Tiefenentspannung in Schritt-für-Schritt-Anleitungen sogar für unterwegs einholen.

Als Sofortmaßnahme gegen Stress hat sich auch Bewegung in der Mittagspause oder nach Feierabend bewährt, ein paar Jogging-Runden oder selbst nur ein Spaziergang durch den Park kann schon helfen, herunterzukommen, negative Gedanken auszublenden und abzuschalten, wie der Telegraph empfiehlt.

„Wir haben uns eine Umwelt geschaffen, für die wir nicht mehr geschaffen sind“

Die bekannte These zur Stress-Ursache des Verhaltensforschers Irenäus Eibl-Eibesfeldt hat auch zur neuerlichen Popularität von Yoga mit beigetragen – einfach aus der umgebenden, entfremdenden Wirklichkeit für ein paar Minuten auszubrechen und in meditativer, innerer Einkehr zu verharren.

Methoden gegen Stress Yoga

Neuere Untersuchungen zeigen die Wirksamkeit von Yoga selbst bei extremer Stressbelastung und haben die Rolle von Yoga als umfassendes, differenziertes und ganzheitliches System hervorgehoben. Mehr noch: Vielfach gelten die wichtigsten Methoden yogischer Stressbewältigung westlichen Entspannungsverfahren als überlegen: Swadhyaya, Pranayama und Asana lauten nur einige der gängigsten Methoden, bei denen die erzielten Tiefenentspannungsphasen Regenerationsprozesse beschleunigen, Stresshormone abbauen und Endorphine ausschütten können und so zu einer Stabilisierung des Immunsystems beitragen. (Quelle: yogarelations.com).

Dabei kann ein Stressbewältigungsprogramm schon direkt nach dem Aufstehen zu Beginn eines neuen Arbeitstages vorbeugend durchgeführt werden, die Schauspielerin und Autorin Sarah Stork erläutert die einzelnen Schritte:

  • Tiefes Einatmen in Savasana, der Totenstellung
  • Konzentration auf Heben und Senken der Bauchdecke
  • Vorstellung vor dem geistigen Auge von einer Verteilung des Atems im ganzen Körper
  • Dehnen und Strecken auf der Yogamatte
  • Abschließender Sonnengruß

4Energie für zwischendurch

Als weiteren Entspannungstipp empfiehlt die Autorin bei Stresssituationen während des Tages sich einfach kurz zurück zu ziehen, eine gekreuzte Sitzposition einzunehmen, die Augen zu schließen und sich auf einen gedachten Punkt zwischen den Augenbrauen zu konzentrieren. Nun gelte es, sich einen hell leuchtenden Lichtstrahl vom Himmel kommend vorzustellen, der sich ausgehend vom Bereich rund um die Schädeldecke entlang der Wirbelsäule bis zum Sitzkreuz zieht. Gezogen wird der gedachte Lichtstrahl mit jedem Atemzug, beim Ausatmen durchflutet das Licht den Körper. Die Meditation soll sich nach eigenen Angaben sehr klärend und reinigend auf das vegetative Nervengeflecht auswirken.

Robin Pratap

Robin ist Co-Founder von ASANAYOGA.DE und schreibt regelmäßig über Themen, welche die Yoga Community bewegen. Mit seinem indischen Background ist er schon früh mit Yoga in Berührung gekommen. Nach dem Sustainable Development Studium in Indien und England, ist sein Ziel eine innovative Plattform zum Wissensaustausch für Yogis zu gestalten.

2 thoughts on “Dem Stress ein Schnippchen schlagen – Methoden, sich seelisch eine Auszeit zu nehmen

  1. Helen says:

    Danke für den Artikel 🙂 ich denke es ist besonders wichtig zu versuchen in sich hinein zu hören und dann den Mut zu haben auch neue Wege zu beschreiten. Ich denke dann reduziert sich der Stress um einiges. 🙂

  2. Anne says:

    Wirklich hilfreiche Tipps!!!
    Immer wieder höre ich “ ich habe keine Zeit zum Üben“ dabei sind im Alltag oft sogar die ganz winzigen
    Entspannungsübungen so hilfreich. Egal wo du gerade bist, im Sitzen, Liegen oder Stehen,
    So z.B.:
    – sich 1-3 Minuten auf den Atem konzentrieren.
    – Drei tiefe Atemzüge mit geschlossenen Augen machen.
    – mit verschränkten Händen, die Arme nach vorne, oben und hinten dehnen. Jeweils einige Atemzüge lang.
    – einige Atemzüge Kopf, Schultern und Arme nach vorn hängen lassen. Ausatmend gedanklich alles Schwere
    loslassen. Einatmend langsam aufrichten, Arme nach oben lang strecken und ausatmend sinken lassen.
    So kann man sich sogar im Berufsalltag einfach nach Bedarf und zwischendurch seine kleinen
    „Inseln der Ruhe“ schaffen. Abschalten, den Kopf wieder frei kriegen und Kraft tanken.
    Namaste
    Anne

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