Tagebuch eines reisenden Yogalehrers – TEIL 4

Tagebuch eines Yogalehrers (2)

Liebe Freundin, lieber Freund, in dieser Woche war Peter Simonischek in meiner Yogaklasse, der Hauptdarsteller von ´Toni Erdmann`. Ich darf sagen, er erfreut sich bester Gesundheit, auch wenn ich mir erlaubte, ihm die ein oder andere Rückbeuge zu empfehlen. Es knackste. Aber die Prominenz ist wohlauf.

Nach der Yogastunde, in einem Korridor des Hotels, kam eine Putzdame auf mich zu; sie klagte über Rückenschmerzen, meinte, es könnten die Bandscheiben sein und bat mich um Rat. Ich sagte, ich sei kein Arzt, eine Schnelldiagnose sei unmöglich. Doch so viel ich wisse, kämen die meisten Rückenschmerzen nicht von Problemen mit der Bandscheibe, sondern von Verklebungen im Bindegewebe; diese lösten sich durch verschiedene Dehn-, Wipp- oder Tanzbewegungen. So wie auch Augustinus von Hippo, ein Philosoph des 4.Jahrhunderts, sagt: ´O Mensch, lerne tanzen, sonst wissen die Engel nichts mit dir anzufangen`. Die Putzdame lachte. Fortan, so hoffe ich, besucht sie mit ihrem Mann einen Tanzkurs oder, was auch nicht von Übel ist, kommt in meiner Yogaklasse vorbei. Ich darf noch anfügen: Ich bin, und achten Sie bitte auf das Zeichen am Ende des Satzes, ein Verfechter von Mitarbeiteryoga! In einem Hotel arbeiten Bedienstete bis zu 12 Stunden am Tag, Köche manchmal mehr. Yoga oder andere Entspannungsübungen, die von der Firma bezahlt werden: sollte das nicht auf dem Dienstplan stehen? Oder in einer Schulordnung? Oder ein winziger Satz davon im Grundgesetz, als: Recht auf Entspannung?

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Peter Simonischek im Film ´Toni Erdmann`

Was Peter Simonischek anbelangt, gebeutelt von Terminen, schien er nach dem Yoga etwas geschmeidiger um die Wirbelsäule. Ich versprach am Tag seiner Abreise, dass ich monatlich eine ´Motivations-Email` an ihn schicken würde. Zuletzt, vor zwei Jahren, schickte ich Motivations-Emails an einen amerikanischen Wanderer aus Minneapolis, der um die Welt reiste, wohlgemerkt: zu Fuß! Der Wanderer bedankte sich bei mir und schrieb, meine Emails hätten ihm das Leben gerettet; besonders als er ohne feste Nahrung durch die Mongolei gewandert war. Die Vorfreude auf die monatlichen Briefe hätten ihn weitergehen lassen. Es stärkte sein Selbstbewusstsein, seine Motivation und das Vertrauen zu sich selbst. Er ging von Italien nach Kroatien, weiter in Richtung Türkei, Kasachstan, den ganzen Weg nach China. Dort setzte er über, durchquerte Amerika und kam zurück in sein Heimatdorf, nahe Saint Paul. Sie drehen zur Zeit einen Dokumentarfilm über ihn und wie ich hörte hat er bereits seine nächste Expedition gestartet, mit dem Paddelboot durch den Amazonas. Aber was hat das mit Yoga zu tun? Vor allem, was ich bereits erwähnte: dass ich glaube, dass Yoga 10% auf der Matte ausgeübt wird und 90% außerhalb der Matte. Eine nette Geste, ein freundliches Wort kann Yoga sein. Ein schöner Kopfstand nicht unbedingt.

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Nach einer Lesung in einer Buchhandlung

Die Putzdame bat mich, ihr ein Buch von mir zu geben, als Erinnerung. Ich gab ihr ein Buch, das ich vor acht Jahren geschrieben hatte, eine Sammlung mit 500 Aphorismen. Als sie ging, fragte ich mich, ob sich ein Verlag für meine neuen Bücher interessieren würde. Eine Novelle ist fertig geworden, ein Roman ist im Oktober fertig. Ob ich einen Verlag oder Literaturagenten finden werde? Ich blickte in den Himmel, auf eine Antwort wartend.

Ihnen, liebe Freundin, lieber Freund, eine angenehme und friedliche Woche. Ich stehe in der Abflughalle von Zürich und reise weiter nach Kroatien, wo ich die nächsten sechs Wochen unterrichten werde. Wollen Sie, dass ich diesen Winter in Ihrem Yogastudio unterrichte? Oder eine Lesung in Ihrer Buchhandlung halte? Schreiben Sie mir. Wenn die Geschicke es wollen, kommen wir an einem Teil dieser Erde zusammen. – Es grüßt schön, Ben, Yogalehrer und Schriftsteller.

[yellowbox]Ben ist gerade in fünf Lehrern als Yogalehrer unterwegs und schreibt dabei regelmäßig für Asanayoga. Teil 1 seiner Reise findest du hier, Teil 2 der Reise kannst du hier lesen, hier ist Teil 3. Folgt Ben außerdem auf seinen beiden Websites: als Yogalehrer & als Schriftsteller.[/yellowbox]

2 thoughts on “Tagebuch eines reisenden Yogalehrers – TEIL 4

  1. Heike says:

    …juhu – endlich Teil 4!
    Ich bin ein absoluter Fan Ihrer Berichte! Mein Tag ist gerettet! Wenn ich die nächsten Tage retten will, dann sollte ich wohl noch mehr von Ihnen lesen…
    Grüße von heike

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