Satya – Wahrhaftigkeit / Offenheit (Das 2. Yama)

Satya Wahrhaftigkeit

OffenheitEs geht bei den Yamas um wesentliche Fragen, die die eigenen Grundbedürfnisse und Werte betreffen.

Im Alltag funktionieren wir oft und hinterfragen sehr selten eingefahrene Gewohnheiten, Sichtweisen, Überzeugungen und Meinungen.

Dieses Yama ist im Verlauf meines Lebens ein Teil meiner persönlichen Ethik geworden. Für mich hat Wahrhaftigkeit und Offenheit einen sehr großen Stellenwert.

Zunächst möchte ich das Yama unter dem Aspekt „Wahrhaftigkeit“ beleuchten:

Es kann sein, dass wir uns „verleugnen“, unsere eigene Meinung zurückhalten, um nicht aus der Reihe zu fallen. Und vielleicht gibt es in unserem Umfeld Menschen, die den Ton angeben. Wir trauen uns nicht, ihnen zu widersprechen, weil sie so wortgewandt sind oder haben nicht den Mut uns abzugrenzen. Oft halten wir unsere eigenen Ansichten zurück, um nicht abgelehnt zu werden oder weil wir Konflikten aus dem Weg gehen wollen.

Unsere Schwäche darf niemand bemerken, wir spielen oft den Starken und halten unsere Gefühle im Zaum!

Doch was kostet uns unser „Mitlaufen“ , unsere Zurückhaltung, Selbstverleugnung, oder unsere falsche Anpassung?

Was passiert, wenn wir nach außen eine „Maske“ zur Schau stellen?

Ist es nicht so, dass etwas in uns leidet, weil wir nicht zu uns stehen?

Doch „Satya“ beinhaltet für mich noch viel mehr. Ich möchte es auch unter dem Aspekt „Offenheit“ betrachten!

Offenheit bedeutet für mich, dass ich mir meine Ängste eingestehe, dass ich meine Gefühle würdige und sie nicht verdränge, dass ich meinem Umfeld offen begegne und nicht schon im Vorhinein Situationen, Aussehen, Verhalten bewerte. Ich begegne den Menschen neutral und unvoreingenommen!

2. Yama Yoga

Ich zeige mich authentisch und verzichte darauf, eine Rolle zu spielen, oder die Erwartungen der anderen zu erfüllen, nur um gemocht zu werden. Ich überprüfe genau, was für mich stimmt! Ich drücke offen aus, was ich brauche. Ich stehe zu meiner Meinung und kann sie mutig ausdrücken. Ich bin offen für Kritik und nehme sie nicht persönlich. Genauso wie ich selber aufrichtig Kritik übe, wenn es angebracht ist.

Ich achte sehr darauf, was ich über andere Menschen sage und denke und ob es wirklich stimmt. Ich bin mir bewusst, dass jeder Mensch seine eigene Sicht- und Denkweise über das Leben hat und verzichte darauf, anderen meine Überzeugungen aufzudrängen.

Ich öffne mich für neue Ideen und Betrachtungsweisen.

Natürlich ist diese Offenheit und Wahrhaftigkeit nicht immer leicht zu leben! Ich bin damit oft unbequem für mein Umfeld, weil ich „kein Blatt vor den Mund nehme“!

Auf der anderen Seite bin ich für andere berechenbar.

Sie wissen genau, dass ich meine was ich sage – und sage, was ich denke.

Ich verzichte darauf, meine Bedürfnisse indirekt einzufordern und zu schmollen, wenn jemand anders reagiert, als ich es vielleicht erwartet habe. Auch das kann ich dann offen ausdrücken. Das erleichtert den Umgang mit anderen enorm! Mein Inneres freut sich ebenfalls, da meine Bedürfnisse erkannt, ausgedrückt und erfüllt werden.

Ein Sprichwort besagt:

“So wie Du in den Wald hineinrufst, schallt es zurück“!

Wenn ich meinem Umfeld offen begegne, erlebe ich, dass die Menschen auch zu mir offen und ehrlich sind! Die Verbindung zu anderen Menschen ist von Herz zu Herz und es macht Freude, Kontakt zu diesen Menschen zu haben.

Ich vertraue mir und den Menschen und mir wird ebenso Vertrauen entgegengebracht!
Was kannst Du im Alltag tun, um aufrichtiger und offener zu werden?

Im Alltag nimm Dir täglich einige Minuten Zeit, in denen Du Dir folgende Fragen stellen kannst:

  1. Wie wahrhaftig bin ich meinen Mitmenschen gegenüber?
  2. Wie ehrlich gehe ich mit mir selbst um?
  3. Bin ich authentisch und erlaube ich es mir, auch meine Schwächen zu zeigen?
  4. Drücke ich offen aus, was ich denke und fühle?

Hier ein 7 Tage Programm, wie Du Wahrhaftigkeit und Offenheit üben kannst:

1Montag

Beobachte im Alltag wie Du Deinen Mitmenschen begegnest. Sind die Worte, die Du sagst, ehrlich gemeint? Wo benutzt Du Phrasen, um Dich zu verstecken?

2Dienstag

Heute erforsche ehrlich Deine Bedürfnisse zum Beispiel in Deiner Beziehung! Gibt es etwas, was Du Deinem Partner gegenüber zurückhältst, aus Angst abgelehnt zu werden?

3Mittwoch

Stehe heute zu einer Deiner Schwächen und erzähl einem Menschen davon. Vielleicht wirst Du positiv überrascht sein, wie er darauf reagiert!

4Donnerstag

Fühle Deine Gefühle und drücke sie offen aus! Zum Beispiel: ich fühle mich gerade sehr müde, traurig, wütend, genervt…

5Freitag

Trau Dich heute ganz oft, Deine eigene Meinung kundzutun!

6Samstag

Halte öfter mal einige Atemzüge inne. Sei offen für den Augenblick und nutze Deine 5 Sinne, um den Augenblick bewusst wahrzunehmen. Sei offen für überraschende Momente!
Was siehst Du gerade? Was hörst Du? Was fühlst Du? Was schmeckst Du? Was riechst Du? Welche Empfindungen sind da gerade in Deinem Körper?

7Sonntag

Sei offen für Dein Bedürfnis nach Spiel, Spaß, Abenteuer! Sei neugierig auf alles, was sich da zeigen möchte! Lass Dein inneres Kind mal wieder spielen und übermütig sein!

Und vielleicht startest Du die kommende Woche neu mit eigenen Ideen?

Maria Dieste

Ausbilderin für Heil-Yoga® Sie unterrichtet Yoga seit zwanzig Jahren und ist Deutschlands führende Expertin in Heil-Yoga®. In Ihrer 2009 gegründeten „Akademie für Heil-Yoga®“ bietet sie Fortbildungen und Ausbildungen an, für Yogalehrende und erkrankte Menschen, die mehr Informationen zu den Beschwerdebildern und Anleitung zur Selbsthilfe im Alltag, sowie Tipps zur präventiven Gesunderhaltung bekommen möchten. Ihr Anliegen ist es, die östliche Yogalehre und Philosophie an die individuellen Bedürfnisse des westlichen Menschen anzupassen, und zwar unter Berücksichtigung anatomischer, funktioneller und spiritueller Gesetzmäßigkeiten. Sie steht, lebt und arbeitet für ein neues, ganzheitliches Gesundheitsbewusstsein als Basis für Wohlbefinden und Erfüllung im Leben jedes Einzelnen.

4 thoughts on “Satya – Wahrhaftigkeit / Offenheit (Das 2. Yama)

  1. Anonymous says:

    Danke für die tollen Hinweise über die Yamas. Es ist zur Zeit sehr hilfreich für mich.Bin im ersten YLA ’s Jahr. Brauche noch etwas über die Niyamas ! Ganz liebe Grüße und eine frohe Zeit Arati ♡

    • Robin Pratap says:

      Zuerst möchte ich dir gutes Gelingen und viel Spaß bei deiner YLA wünschen. Das ist wirklich eine tolle Sache! Ich gebe den Hinweis an Maria weiter. Vielleicht schreibe ich demnächst auch mal über das Thema, danke für die Anregung.
      LG, Robin

  2. Elke says:

    Hi und vielen Dank für den schönen Beitrag.

    Das Thema Satya- Wahrhaftigkeit beschäftigt mich schon länger. Seit meiner Ausbildung zur Yogalehrerin vor vielen Jahren bis heute. Besonders die Frage was ist eigentlich „Wahrhaftig“ und damit natürlich die spannende Frage, wer bin ich eigentlich wirklich und was ist wirklich? Habe leider oder zum Glück bis jetzt noch keine Antwort gefunden und von Zeit zu Zeit ändert sich meine Sicht auf die eigentliche „Wahrheit“.

    Wünsche allen auf dem Weg zur Wahrhaftigkeit viel Erfolg und euch alles gute und weiterhin spannende Beiträge.

    Viele liebe Grüsse
    Elke

    • Robin Pratap says:

      Hi Elke, in meiner Jugend, war ich mir sicher: Die Antwort auf die große Fragen kommt bald. Heute denke ich, dass eher der Weg das Ziel ist – und einen diese Grundsatzfragen nie verlassen werden 🙂

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