Ganesha: Weisheit, Klugheit und Neubeginn

Ganesha der indische Gott

Ganesha Statue

Wer ist der weise indische Gott Ganesha?

Der geheimnisvolle und gutmütige Sohn von Shiva und Parvati wird immer mit einem dicken Bauch und einem Elefantenkopf dargestellt. Umgeben von einer Ratte (sein Reittier), Schmuck und Lotusblumen, sitzt Ganesha (Sanskrit: Gaṇeśa; Devanagari: गणेश) meist ruhig und mit aufmerksamen, klug blickenden Augen da. In der indischen Mythologie ist Ganesha der Beseitiger von Hindernissen und der Beschützer von Wahrheit und Weisheit. Er bringt Erfolg im Leben und ist nebenbei ein talentierter Tänzer.

Ihr könnt euch denken, dass sich eine Menge Geschichten um Ganesha ranken, der zu den bedeutungsvollsten und meist verehrten Gottheiten des Hinduismus zählt. Die spannendsten Facts und geheimnisumwobenen Sagen haben wir euch im Folgenden zusammengetragen.

Indische Märchen und Götterlegenden
  • dtv Verlagsgesellschaft
  • Taschenbuch: 224 Seiten

Wie Ganesha auf diese Welt kam: Geschichte und Geschichten über Ganesha

Von der Geburt Ganeshas gibt es wie so oft verschiedene Versionen. Am weitesten verbreitet ist die Geschichte, dass Parvati ihn beim Baden aus dem Schmutz ihres Körpers formte und mit nach Hause nahm. Als ihr Mann Shiva den angeblich fremden Jungen vor seinem Haus erblickte, war er so überrascht, dass er ihm aus Wut den Kopf abschlug. Parvati trauerte sehr darüber und um sie zu trösten, schickte Shiva kurz darauf einen Trupp los, um den Kopf eines schlafenden Wesens, das Richtung Norden lag, zu holen. So musste ein Elefant seinen Kopf lassen, der dann auf Ganeshas Körper befestigt wurde, so dass er sein Leben zurückgewann. Shiva ernannte ihn daraufhin zum Führer seiner Truppe und verlieh ihm die Gabe, dass die Menschen ihn bei all ihren großen Taten anbeten und verehren.

Shiva gibt Wasser über den Baby GaneshaShiva gibt Wasser über den Baby Ganesha, während Parvati ihn liebevoll in der Hand hält.

Sein Bruder ist Kartikeya, der Gott des Krieges. Darüber, ob er älter oder jünger ist, gab es sogar familienintern einige Streitigkeiten.

Ebenso regional unterschiedlich wird sein späterer Familienstand erzählt: Manche beschreiben ihn als unverheiratet, manche in Ehen mit den Göttinnen der Klugheit, der Spiritualität und des Wohlstands. In wieder anderen Versionen ist er einer einzigen Frau treu (Maharashtra oder Lakshmi). Zwei Söhne, Kşema (Wohlstand) und Labha (Gewinn), soll er gehabt haben.

Kraft und Weisheit: Ganeshas Symbolik in Kürze

Ganesha reitet auf einer Ratte

  • Gott der Anfänge: Er wird zu Beginn vieler Rituale und Zeremonien verehrt
  • Gott der Klugheit und Weisheit, Helfer der Wissenschaften
  • Gott des Erfolgs und der Zerstörung aller Hindernisse und allen Übels
  • Wichtigste Merkmale sind der Elefantenkopf (die Seele) und der dicke Bauch (das Irdische)
  • Er steht symbolisch für das Hauptmantra OM
  • Im Wurzelchakra (Muladhara) verortet: göttliche Kraft und die Verbindung zum Spirituellen

Welche Bedeutung hat er in der indischen Tradition?

In der indischen Bevölkerung erfreut sich Ganesha bis heute größter Beliebtheit, daher kann man ihn zu den bedeutendsten Hindu-Gottheiten zählen. Sein Elefantenkopf steht symbolisch für die Seele, die höchste menschliche Wirklichkeit, die Weisheit. Sein menschlicher Körper steht für die irdische Existenz des Menschen. In einer seiner Hände (meist wird er mit vier Armen dargestellt) hält er einen Stachel, mit denen er die Menschen auf dem ewigen, hindernisreichen Weg antreibt. Mithilfe der Schlinge in einer anderen Hand erfasst er alle Schwierigkeiten und räumt sie so weg. Dank seiner großflächigen Ohren kann er den Menschen gut zuhören, die Schlange, die er umgebunden hat, gibt ihm Energie. Seine Liebe zu Süßspeisen zeigt sich in vielen Darstellungen in Form einer Schale oder Schüssel.

Ganesa schreibt das MahabharatGanesa schreibt das Mahabharat

Die Ratte, die in Indien als heiliges Tier gilt, ist das Reittier von Ganesha. Als treue Begleiterin unterstreicht sie noch einmal die Klugheit und Geschicklichkeit des hinduistischen Gottes.

Eine der ältesten Hindu-Schriften, die Rig Veda, beginnt mit dem Aufruf und einem Gruß an Ganesha. Das zeigt, dass seine Verehrung bereits vor mindestens 7.000 Jahren begonnen hat.

Nach der Lehre des Kundalini Yoga ist Ganesha eng mit Wurzelchakra (Muladhara) verknüpft, das die Verbindung zum Spirituellen und zur göttlichen Kraft symbolisiert.

Was hat der Gott Ganesha mit Yoga zu tun?

Was wir als Yogis von Ganesha lernen können, zeigt sich in der folgenden Geschichte:
Ganesha, der Süßspeisen sehr liebte und natürlich, neben seiner tänzerischen Begabung, ein Yoga-Profi war, hatte einige Schwierigkeiten, die Balance zwischen den beiden Dingen zu halten und Verzicht zu üben. Als ihm zur Verehrung wieder eine Menge süße Sachen gebracht wurden, aß er sie an Ort und Stelle komplett auf. Erst zu später Stunde machte er sich mit seinem Reittier auf den Nachhauseweg. Nach einer Weile wurde seine Ratte plötzlich von einer Schlange erschreckt, Ganesha verlor die Balance, fiel hin und alle Süßigkeiten fielen aus seinem übervollen, aufspringenden Bauch auf die Straße. Schnell steckte er sie wieder zurück und band sich mit der Schlange den Bauch zu. Niemand hatte ihn gesehen – außer der Mond, der so laut darüber lachen musste, dass Ganesha wütend wurde und ihn dazu verfluchte, sich nie wieder am Himmel blicken zu lassen.

Chandra bat ihn um Verzeihung und Ganesha schwächte seinen Fluch ab – zum einen war er zu gutmütig und es war so auch einfach zu dunkel in der Nacht: Der Mond durfte von nun an an einem Tag pro Zyklus in voller Größe strahlen, dann langsam abnehmen und anschließend wieder langsam zunehmen.

Was Ganesha erleben musste, wird uns auch beim Yoga klar: Alle Energie und alles in der Welt besitzt zwei Hälften, die voneinander abhängen und sich im Gleichgewicht halten. Ohne Mond geht die Balance von Tag und Nacht verloren, es gibt kein Licht in der Nacht, das Energie und Sanftmut spendet.

Genau darum geht es auch bei der Halbmond-Haltung (Ardha Chandrasana):
Ardha Chandrasana (Der Halbmond) Erklärung
Den Blick aufmerksam nach oben gerichtet, kommt es hier entscheidend auf ein gutes Gleichgewicht an, auf eine Balance zwischen den Körperteilen.

Ganesha-Mantras zum reinhören

Robin Pratap

Robin ist Co-Founder von ASANAYOGA.DE und schreibt regelmäßig über Themen, welche die Yoga Community bewegen. Mit seinem indischen Background ist er schon früh mit Yoga in Berührung gekommen. Nach dem Sustainable Development Studium in Indien und England, ist sein Ziel eine innovative Plattform zum Wissensaustausch für Yogis zu gestalten.

3 thoughts on “Ganesha: Weisheit, Klugheit und Neubeginn

  1. Eugen Auer says:

    Hallo Robin.
    Ich habe einen tanzenden Ganesha, vor 40 Jahren in Rajasthan erworben. Hat seine tanzende Darstellung eine Bedeutung, oder ist er einfach nur happy? Die Statue ist 21 cm hoch und sehr schwer (Kupfer?).
    Einen schönen Gruß aus Bamberg, Eugen

  2. Bettina says:

    Hallo Robin,
    Wikipedia datiert den Nachweis von Ganesha auf 500 Jahre nach Christus. Zitat: „Literarisch ist er erst in epischer Zeit und den Puranas greifbar und voll ausgearbeitet“. Dort wird festgestellt, dass er in den Veden namentlich nicht auftaucht. Aus der mir vorliegenden Übersetzung der Rig Veda http://www.thombar.de kann ich einen Bezug zu Ganesha nicht ersehen. Ich freue mich, wenn du mir deine Quelle nennen könntest. Ganesha ist mein Begleiter im Yoga. Meine Webseite wird gerade neu gestaltet, daher keine Angabe.

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