Die Magie von Berührungen

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Streicheleinheiten als die ursprünglichste Heilungstherapie

Streicheln, Hände halten, Umarmungen: Werden wir von einem Menschen berührt, der uns nahesteht, tut uns das in den meisten Fällen gut – besonders, wenn wir gerade traurig sind, wütend oder gestresst. Was bewirken Berührungen in unserem Körper? Warum tragen sie zu unserem Wohlbefinden bei, können sogar Schmerzen und Depressionen lindern? Eine kleine Kontakt-Spurensuche.

1Was Berührungen in dir auslösen können

Vor allem bei Kindern lässt wunderbar beobachten: Sind sie traurig, haben sich verletzt oder sind einfach schlecht drauf, wollen sie in den Arm genommen werden. Das macht sie ruhiger, spendet Trost und gibt neuen Halt. Oft sind dabei noch nicht einmal Worte nötig. Erfahren Menschen in ihrer Kindheit nur wenig Liebe und Berührungen, werden sie oft von ihren Eltern abgewiesen, wirkt sich das auf ihr ganzes Leben negativ aus, sowohl auf ihre Psyche als auch auf ihre geistige Entwicklung und ihre Intelligenz.

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Denn unser Gehirn – auch das von Tieren – kann nur durch unseren überaus sensiblen Tastsinn reifen und begreifen. Ein Psychologe, der das genauer untersucht, ist Dr. Martin Grunwald vom Haptiklabor der Uni Leipzig. „Die Haut bildet dabei Verbindung zum Nervensystem und damit zum Befinden“, sagt Grunwald. So verarbeiten wir auch unsere Eindrücke und Empfindungen über unsere Haut, indem wir uns selbst berühren. Uns etwa über den Arm streichen, wenn wir nervös sind, die Haare drehen, wenn wir nachdenken oder uns im Gesicht anfassen, wenn wir uns konzentrieren, etwas lesen oder lernen.

Übrigens sind Menschen mit kleinen Fingern sensibler – das fand der Forscher Daniel Goldreich (McMaster University Ontario) in einer Studie heraus. Und berührt eine Frau einen Mann, hat das komplett andere Auswirkungen auf sein anschließendes Handeln, als wenn ein Mann körperlichen Kontakt zu mir als Mann herstellt – das haben Jonathan Levav und Jennifer J. Argo von der Columbia University in einer weiteren Studie herausgefunden. Demnach gehen Männer mit Geld risikoreicher um, wenn sie vorher von einer Frau begrüßt wurden – entweder mit einem Händedruck oder einer Berührung an der Schulter.

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2Berührungen als Medizin

Dass Neugeborene noch im Kreißsaal auf den nackten Oberkörper ihrer Mutter gelegt werden, hat einen logischen Grund: Zum einen beruhigt der direkte Hautkontakt den Säugling – auch wenn er bislang ja nur das Innere seiner Mutter kannte. Zum anderen erholt sich die Frau nach der anstrengenden Geburt weitaus besser. Selbst nach Kaiserschnitten stellen Ärzte fest, dass die zuvor gegebenen Medikamente und Narkosemittel schneller verstoffwechselt werden, sobald das Baby die Haut der Mutter berührt. Der Tastsinn ist der erste Sinn, der sich im Mutterleib ausbildet. Beim erwachsenen Menschen ist er zwei Quadratmeter groß und damit gleichzeitig unser größtes Sinnesorgan. Auch während der Geburt können Berührungen helfen: Leichte Massagen, Streicheln und Hände halten geben Kraft und lassen das Herz langsamer schlagen.

Oxytocin ist das Hormon, das bei Berührungen ausgeschüttet wird. Es bewirkt, dass die Stress-Hormone Adrenalin und Kortisol verringert werden und es regt eine Ausschüttung der Glückshormone Dopamin und Serotonin an. Wir beruhigen uns, unser Stoffwechsel reguliert sich, unser Herzschlag und der Blutdruck sinken, wir spüren Liebe und Vertrauen. Langfristig stärken sie sogar unser Immunsystem, unsere Seele und können tatsächlich dafür sorgen, dass Verletzungen und Schmerzen schneller gelindert werden. Wir brauchen unsere Streicheleinheiten ein ganzes Leben lang. Nur gestehen wir uns das als Erwachsene oft nicht mehr ein. Besonders Älteren fehlt es häufig an Berührungen – obwohl diese für sie immens wichtig sind. Aus Zeitmangel bekommen sie stattdessen oft einfach Medikamente: Schlafmittel, Anti-Depressiva. Dabei würden schon kleine körperliche Kontakte helfen: Das Halten der Hand, ein Streichen über den Arm.

3Körperlicher Kontakt macht dich stark und stabil

Berührungen können deiner Psyche wieder auf die Sprünge helfen – oft effektiver als ein paar warme Worte. Das Schulterklopfen eines Kollegen, die Umarmung deiner besten Freundin, das Kopfstreicheln deines Partners entspannen und lassen dich wieder optimistischer nach vorne schauen. Das wiederum wirkt sich natürlich auf deine Motivation, dein Verhalten aus.

Eine uralte Praxis, die sich die Heilwirkung der Berührungen zunutze macht, ist das Thai Yoga. Das Prinzip besteht darin, die Energielinien auf spirituelle und achtsame Weise zu aktivieren. Thai Yoga wird mit Partner praktiziert. Grundlegend ist, dass der Partner sensibel für die Empfindungen des anderen ist, darauf achtet, was gut tut, was vielleicht zu viel oder zu intensiv ist. Thai Yoga folgt damit dem typischen, unserer westlichen Medizin unterschiedlichen Auffassung, dass alles mit allem in unserem Körper zusammenhängt. Ähnlich wie bei der Akupunktur löst die Berührung bestimmter Punkte am Körper einen Energiefluss aus, der sich auf verbindende Elemente auswirkt.

Thai Yoga verbindet damit die aktive mit einer passiven Praxis: durch eigene, sanfte Bewegungen und durch die achtsame und gezielte Berührung von außen. Diese Kombination bewirkt wiederrum, dass du körperlich als auch seelisch gestärkt und entspannter wirst, deine Atmung wird tiefer, deine Nerven beruhigen sich.

4Vorteile und Wirkungen von Berührungen

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Berührungen – achtsam und gezielt eingesetzt – können also tatsächlich magische Folgen haben:

  • Berührungen stärken Körper und Seele und aktivieren die Selbstheilungskräfte
  • Die Ausschüttung der Stresshormone werden reduziert, die der Glückshormone angeregt
  • Über die Energielinien können gezielte Berührungen Schmerzen und Verletzungen lindern
  • Berührungen als Medizin – oft wirksamer als Anti-Depressiva, Schmerz- oder Schlafmittel
  • Berührungen und Streicheleinheiten brauchen wir ein ganzes Leben lang!

Andererseits bedeutet das: Wenn körperliche Berührungen unterdrückt werden, hat das negative Auswirkungen auf unser ganzes Wesen, unser Wohlbefinden, unsere Seele und unseren Körper. Ein paar liebevolle Kontakte helfen also dir und anderen – beobachte es einmal selbst und nimm die Menschen, die du magst, öfter mal in den Arm!

Anne Steinbach

Anne ist Reisejournalistin, Bloggerin und schon seit vier Jahren in Indonesien verliebt. Manchmal teilt sie diese Liebe auch mit anderen Ländern in Südostasien, dann packt sie ihren Schrammel-Backpack und zieht los. Yoga macht sie schon seit 5 Jahren und hat gerade Bikram für sich entdeckt. Nur an das Schwitzen muss sie sich noch gewöhnen.

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